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Lokalsport: Der Fall Rehm sorgt weiter für Ärger unter den Weitspringern

Lokalsport : Der Fall Rehm sorgt weiter für Ärger unter den Weitspringern

Bei den Deutschen Meisterschaften darf der behinderte Weitspringer zwar mitmachen, gewertet werden seine Sprünge aber nicht.

Es herrscht Uneinigkeit unter den Weitspringern. "Ich finde es riskant, ein solches Experiment vor einer WM durchzuführen", sagt Alyn Camara dazu, dass die Weitspringer am Wochenende auf dem Nürnberger Hauptmarkt ihren neuen Deutschen Meister ausmachen. Auf einem 50 Meter langen Steg anzulaufen und zu springen, sei gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache. Markus Rehm dagegen findet: "Dort wird eine tolle Atmosphäre herrschen. Wir werden richtig Spaß kriegen."

Aber nicht nur der ungewöhnliche Wettkampfort verschafft den beiden Weitspringern vom TSV Bayer 04 Leverkusen aktuell mehr Aufmerksamkeit als manchem lieb ist. Denn es schwelt weiterhin ein Zwist in der Gilde, der sich vor gut einem Jahr anschickte, als schönes Beispiel für Integration zu taugen. Der unterschenkelamputierte Rehm erhielt die Erlaubnis, bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm mitzuspringen - und gewann mit 8,24 Metern. Den Titel durfte er behalten, und er darf auch nun wieder mitmachen. Aber egal, wie weit er springt, er landet außerhalb der Wertung. Das hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) beschlossen.

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"Wir müssen eine Situation in Kauf nehmen, mit der keiner zufrieden ist. Beim Springen in Hengelo war Markus drin in der Wertung, in Dessau draußen", verdeutlicht Camara das Hickhack. Wer soll das verstehen? Er zählt zu den Kollegen, die Rehm den Titel unbedingt zusprechen. Dass andere nicht-behinderte Springer dagegen geklagt hatten, führt er darauf zurück, "dass keiner weiß, wie Entscheidungen zustande kamen".

Auch die Hauptperson findet, "dass eine Lösung überfällig ist. Wir brauchen Klarheit für alle Seiten". Ihn, Rehm, wurme, dass seine Leistungen allzu oft "auf die Prothese reduziert werden". Ob diese ihm nun einen Vorteil verschafft oder nicht, ist immer noch völlig ungewiss. Er sei weiter zu allen nötigen Messungen und Untersuchungen bereit.

Allerdings beschleiche ihn das Gefühl, "dass sich niemand darum kümmern will." Zudem verfestigt sich bei einigen der Eindruck, dass niemand die finanziellen Hürden, die damit verbunden seien, nehmen will. Im Raum stehe ein fünfstelliger Betrag. "Und den", verdeutlicht der Geschäftsführer der Bayer-Leichtathleten Paul Heinz Wellmann, "will vielleicht kein Verband bezahlen, weil es hier nur um eine individuelle Lösung für einen einzigen Sportler geht."

Rehms Wunsch sei es, dass alle Beteiligten miteinander ins Gespräch kommen. "Dann kann jeder seine Wünsche und Ansichten äußern, und man kann versuchen, auf einen Nenner zu kommen." Dazu sollten sich DLV, Deutscher Behindertensportverband, nicht-behinderte Aktive und er selbst an einen Tisch setzen. Camara hat allerdings schon mit dieser Aufzählung ein Problem: "Wieso gibt es eigentlich nicht nur einen Verband für alle Leichtathleten? Wir sind doch alle Menschen, die durch den Sport verbunden sind."

(RP)