Leichtathletik : Danny Eckers neues Leben

Danny Ecker sitzt an diesem Morgen auf der Tribüne in der Fritz-Jacobi-Halle. Die Halle, die er über viele Jahre hinweg wohl ähnlich oft betreten hat wie die eigenen vier Wände in Schlebusch.

Als sein Blick zu Silke Spiegelburg schweift, die gerade auf der Tartanbahn Steigerungsläufe absolviert, wird Ecker ein bisschen melancholisch. "Es fühlt sich eigentlich überhaupt nicht gut an, hierher zurückzukommen. Da muss ich wahrscheinlich noch ein bisschen Gras drüber wachsen lassen. Es hat mir einfach zu viel bedeutet. Der Sport war mein Lebensmittelpunkt seit 1995. 17 Jahre lang hat sich meine Welt um den Stabhochsprung gedreht", sagt der 35-Jährige.

Knapp vier Monate ist es her, dass der WM-Dritte und Hallen-Europameister von 2007, der Sechs-Meter-Springer von 2001, bei den Stabhochsprung-Classics in Leverkusen Abschied von seiner Laufbahn als Leistungssportler nahm. Es war eine rationale Entscheidung, weil der verletzungsanfällige Körper im Laufe der Jahre einfach zu oft "in die Instandsetzung" (Ecker) gemusst hatte. Es war ganz und gar nicht die Entscheidung eines Mannes, der des Lebens als Leistungssportler überdrüssig geworden war. "Mit guter körperlicher Verfassung hätte ich das mein Leben lang weitermachen können. Dafür ist der Alltag als Athlet viel zu spannend. Das Reisen habe ich geliebt, die Trainingslager, die vielen Wettkämpfe, Menschen, die man trifft", sagt Ecker.

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Olympia hatte er zuvor vor dem Fernsehen verfolgt. Es war eine Prüfung für ihn. "Es war hart. Und es kam natürlich auch ein bisschen Neid dabei auf. Eine Silbermedaille, die der Björn [Otto, Anm. d. Red.] da erreicht hat, ist halt der große Traum. Das begleitet einen sein restliches Leben lang", sagt Ecker. Er ist keiner, der aus seinem Herzen eine Mördergrube macht.

Doch es half alles nichts: Letztlich hatte auch ihn das Leben nach der Karriere unwiderruflich eingeholt. Eines, das naturgemäß andere Schwerpunkte setzt. Die Familie mit den beiden Töchtern, das BWL-Studium an der FernUni Hagen, das er 2003 begonnen hatte, das aber immer wieder hintanstehen musste. "Noch ein gutes Jahr, anderthalb", sagt Ecker, "dann will ich fertig sein."

Das Hauptaugenmerk liegt aber seit einiger Zeit auf seiner Tätigkeit als Personal Trainer. Er ist gerade dabei, die passende Lizenz zu erwerben. Er besucht Fortbildungen und gibt individuelle Kurse. "Ich finde es spannend. Die Arbeit mit den Nicht-Sportlern macht mir sehr viel Spaß. Jeder hat seinen Status quo. Da muss man ihn abholen, um ihn zu verbessern", sagt Ecker. Dass er selbst nicht mehr die Form früherer Trainingstage hat, merkt er dabei ebenfalls. "Die Leute beklagen sich alle über Muskelkater. Ich auch, und das allein schon vom Vormachen", sagt Ecker und grinst.

Der Markt der Personal Trainer sei ein umkämpfter hier in der Region, sagt er. Vor allem wegen der vielen Studenten der Sporthochschule, die in diesem Segment anfangen. Hilft denn nicht sein prominenter Name weiter? Nicht immer, sagt Ecker. "Ich muss den Leuten manchmal klar machen, dass sie keine Angst haben müssen, dass sie sich bei mir blamieren könnten, weil sie kein Leistungssportniveau mitbringen. Ich urteile über niemanden und lache die Leute hinter ihrem Rücken nichts aus."

Die Arbeit macht ihm Spaß — fürs Erste. Doch Ecker ist kein Typ, der sagen würde: "Das mache ich jetzt ein Leben lang." Er ist nach wie vor ein Suchender. Auf der Suche nach etwas, das sich so gut anfühlt wie der Leistungssport. Weiß er, was er in fünf Jahren machen wird? "Das ist zu weit weg. Ein normaler Büro-Job wäre in jedem Fall zu wenig Action für mich. Es ist nicht leicht, seinen Weg zu finden", sagt Ecker.

Sein Blick schweift noch mal zur Stabhochsprung-Anlage. "Wenn ich jetzt zum Stab greifen müsste, würde ich wohl noch fünf Meter springen können", sagt er. Und dann erzählt er noch, sein alter Kumpel aus Holland, Rens Blom (wie Ecker 35 Jahre alt), Weltmeister von 2005, habe neulich nach vier Jahren Pause ein Comeback gestartet. In Eckers Ohren klingt das wohl fast wie ein Hoffnungsschimmer.

(RP/jco)