Handball : „Pirates“ des Leichlinger TV melden Insolvenz an

Die für den Spielbetrieb der Handballer des Leichlinger TV in der Dritten Liga zuständige PIMA GmbH sieht keine finanzielle Perspektive mehr. Die Corona-Krise habe die wirtschaftliche Grundlage „unrettbar zerstört“, schreiben die Verantwortlichen.

Am Dienstag waren aufgrund der Coronavirus-Pandemie die ersten drei Bundesligen abgebrochen und nach der Quotientenregelung (siehe Info-Kasten) gewertet worden. Absteiger gibt es liga-übergreifend sportlich keine, der Leichlinger TV hatte so die Spielzeit in Liga drei als Tabellenzwölfter abgeschlossen. Einen Tag nach der sportlichen Nachricht ist klar, dass die Corona-Krise den Westdeutschen Meister von 2016 finanziell wohl in den Abgrund getrieben hat: Die für den Spielbetrieb der „Pirates“ zuständige PIMA GmbH stellte am Mittwoch wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Köln Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Der semi-professionelle Handball in Leichlingen steht damit vor dem Aus.

Die Geschäftsführung der PIMA sehe „keine Fortführungsperspektive und hat sich nach intensiver Diskussion zu diesem für den so erfolgreichen Leichlinger Bundesliga-Handball zutiefst bedauerlichen Schritt entschlossen“, teilte der LTV mit. Als Begründung nennt die PIMA in ihrer Erklärung den „Wegfall der kompletten Einnahmen aus Catering, Ticketing und Sponsoring“, der „die wirtschaftlichen Grundlagen unrettbar zerstört“ habe. Hinzu komme, „dass ein ausgeschiedener Gesellschafter Forderungen an die PIMA in fünfstelliger Höhe gerichtet hat, und der Hauptsponsor Ostermann zum 30. Juni 2020 sein außerordentliches Engagement leider vollständig einstellen wird“.

Bei dem ausscheidenden Gesellschafter dürfte es sich um Stefan Fornahl handeln, der seinen Rückzug bereits kurz nach der Entlassung des ehemaligen Trainer-Managers Frank Lorenzet im August 2018 bekanntgegeben und das Sponsoring seiner Firma Proroll beim LTV beendet hatte. Über das Ende des Ostermann-Engagements hatte unsere Redaktion bereits berichtet.

Weiter heißt es in der LTV-Mitteilung, dass Spieler und Trainer digital über diesen Schritt unterrichtet worden seien. Lars Hepp, seit August 2018 Trainer der „Pirates“, sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Mir tut es vor allem leid für Leichlingen, dass so ein Verein, der das Drittliga-Geschehen mitbestimmt hat, jetzt von der Landkarte verschwindet.“ Der Trainer ergänzt: „Für meine Jungs bin ich enttäuscht, die jetzt vor vollendete Tatsachen gestellt wurden und nicht wissen, wie es gerade jetzt in der Corona-Zeit weitergehen soll. Vor allem für die acht, neun Spieler, die noch unter 25 Jahre jung sind und ihre persönliche Zukunftsplanung hatten, aber natürlich auch für die anderen und die, die wir eigentlich für die neue Saison verpflichten wollten.“

Den Gesamtverein Leichlinger TV erwischte die Pleite der Pirates unvorbereitet. „Das kam für uns sehr überraschend, und ich bedauere das sehr“, sagt der Vorsitzende Martin Hasenjäger, der in die Vorgänge bei der PIMA nicht involviert war. Der Gesamtverein ist einer der Gesellschafter der PIMA, rechnet laut Hasenjäger aber nicht damit, dass er im Insolvenzverfahren haftbar gemacht werden könnte. „Ein Konzept für die Zukunft steht noch aus“, sagt Hasenjäger und bekräftigt: „Jetzt sind wir als Dachverein gefordert.“

Die Lizenz, die der Verein bisher an die PIMA abgetreten hatte, wandert nun wieder zurück zum LTV. Der Verein hatte noch Anfang April, also schon in der Corona-Krise, fristgerecht seine Mannschaft für die kommende Saison in der Dritten Liga gemeldet. „Bei uns melden Vereine und keine GmbHs“, erklärt Staffelleiter Andreas Tiemann auf Anfrage unserer Redaktion. Aus Sicht des Verbandes ändert sich daher zunächst nichts, der Ball liegt beim Klub. Dass dieser für die kommende Saison eine Mannschaft stellen, also auch bezahlen kann, gilt aber als höchst unwahrscheinlich. „Leichlingen hat als erstes Insolvenz angemeldet, es wird aber nicht die letzte sein. Da bin ich mir sehr sicher“, prognostiziert Tiemann.

Die Reserve des LTV war zuletzt in der Kreisliga. Die Fans der Pirates müssen um Grundsätzliches fürchten.