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Corona beendet den Spielbetrieb in mehreren Ligen in 2020

Pause im Handball verlängert : Handballer müssen bis 2021 pausieren

Der Deutsche Handball-Bund hat den Spielbetrieb der 3. Ligen für das restliche Jahr beendet, die unteren Spielklassen folgten. Der klassische Modus mit Hin- und Rückrunde ist nicht mehr haltbar. Leichlinger TV, TuS Opladen und SG Langenfeld spielen so frühestens im Januar wieder.

Der nächste Aufschub und das Hoffen auf Besserung – der Handball spielt im Kampf gegen die Corona-Pandemie auf Zeit. Der Deutsche Handball-Bund (DHB) verlängerte am Mittwoch die bisher bis Mitte November geltende Aussetzung des Spielbetriebs der 3. Ligen und Jugend-Bundesligen bis Ende des Jahres. Damit reagierte der Verband auf das unverändert heterogene Bild der Wettkampf- und Trainingsmöglichkeiten an den jeweiligen Drittliga-Standorten. Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist derzeit zum Wochenende des 9./10 Januars geplant, sofern dies die weitere Entwicklung der Viruskrise zulässt. Bis der Leichlinger TV und Aufsteiger TuS Opladen ihr zweites Saisonspiel absolvieren können, werden also noch Wochen vergehen. Der klassische Spiel­modus mit Hin- und Rückrunde ist nun nicht mehr haltbar.

Wenig später zogen am Mittwoch auch die Handball-Verbände Mittel- (HVM) und Niederrhein (HVN) nach und setzten die Saisons in den Ober- bis Landesligen bis Anfang Januar aus, behalten sich aber ausdrücklich eine Verlängerung mit Blick auf das Pandemie-Geschehen vor. Die Handballkreise für die Bezirksligen bis zu den Kreisklassen sind dem teilweise bereits gefolgt. Auch die vom Handball-Verband Nordrhein verantwortete Regionalliga Nordrhein, in der unter anderem die SG Langenfeld (SGL) aktiv ist, setzt aus, am Mittwochabend besprachen die Vereine online verschiedene Szenarien, wie die Saison zu einer Wertung geführt werden kann.

Dort waren alle 15 Vereine der Nordrheinliga vertreten, vom Verband war trotz Einladung niemand dabei. Generell sorgte die mangelhafte Zusammenarbeit mit den Verbänden für Unmut bei den Klubs, die sich eine stärkere Einbindung und vor allem Perspektiven wünschen. Am Ende verabschiedeten die Vereine eine Beschlussvorlage zur Fortführung der Saison, die die drei gewählten Vertreter (siehe Info-Kasten) dem Verband übermitteln und mit ihm in Kontakt bleiben sollen.

Die beiden Hauptinhalte der Vorlage, die unsere Redaktion eingesehen hat: Die bestehende Saison soll zu Ende gespielt werden, es müsse einen Aufsteiger geben, allerdings dürfe kein Klub absteigen. Und: Bevor die Saison fortgesetzt wird, müsse allen eine vier- bis sechswöchige Vorbereitung gewährt werden, die mit der Freigabe der Politik für den Kontaktsport beginnen soll.

Eine ausreichende Vorlaufzeit vor dem Wiedereinstieg in den Spielbetrieb ist auch der SGL wichtig. „Der Gesundheitsschutz geht vor, es muss an die Verletzungsprävention gedacht werden“, betont Abteilungsleiter Thorsten Scholl. Er begrüßt die Aussetzung der Saison, „das ergibt ja durchaus Sinn“. Der Langenfelder Handballchef verlangt mit Blick auf den Wiedereinstieg aber mehr Transparenz der Verbände sowie verlässliche Rahmenbedingungen. „Es sollte eine einheitliche Vorgehensweise vom Dachverband bis in die Landesverbände geben“, sagt Scholl und betont: „Es muss miteinander geredet werden.“ Für konkrete Vorschläge für einen sportlichen Abschluss der Saison ist es seiner Meinung nach noch zu früh, da nicht klar sei, wann und unter welchen Voraussetzungen weitergespielt werden könne.

Für die Dritten Ligen hat DHB-Vorstandsvorsitzender Mark Schober erklärt: „Unser oberstes Ziel ist es weiterhin, verantwortungsvoll Möglichkeiten für Handball zu schaffen. Priorität haben dabei Wiederaufnahme und Fortführung des Trainings.“ Die Frage, ob der Drittliga-Handball als Amateur- oder Profisport gilt, ist weiterhin unklar. Je nach Standort gibt es darüber unterschiedliche Auffassungen. So hat ein Drittel der Drittliga-Klubs derzeit keine Trainingsmöglichkeiten. Zudem dürften rund 40 Prozent der Vereine den Spielbetrieb auch ohne Zuschauer nicht aufnehmen.

Der weitere Spielstopp ist dennoch ein herber Schlag für die Klubs, die sich am Dienstagabend in einer Videokonferenz mit dem DHB zusammengeschaltet hatten. Ohne Spielbetrieb schwindet unter anderem der Reiz für Sponsoren, erste Klubs meldeten diesbezüglich ihre Sorgen an. „Wir verstehen die Nöte vor Ort. Es ist jetzt unsere gemeinsame Aufgabe, Wege zu finden, wie der Handball in der 3. Liga aktiv bleibt und welche Formen des Spielbetriebs möglich und sinnvoll sind“, sagte Schober dazu. Uneinigkeit herrscht bei den Klubs zudem über die Frage, ob die Saison auch ohne Zuschauer wieder aufgenommen werden sollte.

Vorausgesetzt im Dezember ist für die Teams wieder ein Trainingsbetrieb möglich, soll im Januar die Saison zunächst mit jenen Partien fortgesetzt werden, die zu diesem Zeitpunkt der Hinrunde ohnehin vorgesehen waren. Anschließend sollen die zahlreich ausgefallenen weiteren Hinrundenspiele nachgeholt werden. Dies soll nach Möglichkeit bis Ende April geschehen.

Die Rückrunde wird nicht mehr in ihrer klassischen Form durchgeführt werden können. Es stehen drei Varianten im Raum, wie diese sportlich absolviert werden kann. Unter anderem sind Teilungen der jeweiligen Staffeln ein Thema, auch über Turnierformen wird nachgedacht. Die Vereine sind nun aufgerufen, sich darüber Gedanken zu machen.

Zudem sollen Coronatests im Vorfeld der Spiele die Sicherheit aller Beteiligten erhöhen. Derzeit sind dabei anscheinend Schnelltestes favorisiert. Der DHB will eine einheitliche Teststrategie entwickeln und vorgeben, die Klubs müssen sich aber auf weitere Kosten einstellen.

Der Leichlinger TV begrüßte in einer ersten Reaktion den Aufschub der Saison. „Der DHB nimmt die Klubs in herausragender Art und Weise mit. Ich sehe gar keine andere Möglichkeit, als so vorzugehen, wie nun entschieden wurde“, sagte Leichlingens Sportlicher Leiter Elmar Müller. Bei den nächsten Schritten setzt Müller auf die „Solidarität der Handballfamilie“ und somit auf die Kooperation der Klubs untereinander: „Wir können alle voneinander profitieren“, sagte er.

Der LTV wurde selbst hart von der Pandemie getroffen und hatte mit zahlreichen Coronafällen im Team zu kämpfen. Schon vor der Aussetzung des Spielbetriebs bis Mitte November waren daher mehrere LTV-Partien verlegt worden. Auch Opladen war mehrfach von Spielausfällen betroffen und meldete vor Kurzem selbst Covid-19-Erkrankungen in seinem Team.

Nach der jetzigen Planung würde der LTV am 9. Januar mit dem Heimspiel gegen die HSG Haßloch wieder in den Spielbetrieb einsteigen, für Opladen wäre die erste Partie des neuen Jahres am selben Tag ebenfalls ein Heimspiel gegen den TV Kirchzell.