Basketball : BBZ verliert den Glauben

Rein technisch betrachtet stehen die Mannschaftsbänke in der Heisenberg-Halle nur wenige Meter entfernt, gefühlsmäßig trennten sie gestern nach Spielschluss aber Welten.

Während Spielerinnen und Trainer der TG Neuss nach ihrem hart erkämpften 73:71 (38:44) lautstark ihren Sieg zelebrierten, blickte ein paar Meter weiter Birgit Kunel etwas ratlos drein. Auch den Gesichtern ihrer Spielerinnen war die Frage abzulesen, wie und warum sie diese Partie eigentlich gerade verloren hatten.

"Ich kann noch nicht sagen, woran genau es gelegen hat", lautete die erste Reaktion der Opladener Trainerin. Immerhin war zunächst alles nach Plan verlaufen. BBZ sicherte sich das erste Viertel (33:22) im Sturm und zeigte all die Qualitäten, die in den letzten Wochen vermisst worden waren. "Wir waren vorne super konzentriert, alle haben Verantwortung übernommen und ihre Chancen erfolgreich genutzt", analysierte Kunel die ersten zehn Minuten. Das Selbstvertrauen, das ihr Team mit dieser Leistung hätte anhäufen müssen, hielt aber nur bis knapp nach der Pause, dann drehte Neuss mit einem 10:0-Lauf die Partie. Auch wenn das Derby da (60:61) längst nicht entschieden war, versetzte es der Opladener Psyche offenbar einen Knacks, von dem sich BBZ nicht mehr erholte.

"Die Phase war ausschlaggebend, das hat uns den Glauben genommen", fasste Kunel das dritte Viertel zusammen. Die daraus resultierende Pleite bezeichnete die Trainerin als "absolut unnötig". "Neuss ist nur ins Spiel zurückgekommen, weil wir es durch unsere Fehler zugelassen haben." 24 davon manifestierten sich in grundlosen Ballverlusten, die vor allem Topscorerin Shacondra James (31 Punkte) zu nutzen wusste. Auf der Gegenseite hatte Taryn Turnbull wenige Sekunden vor Schluss beim Stand von 71:73 beim letzten Opladener Angriff zumindest die Chance, eine Verlängerung zu erzwingen, doch die Kanadierin entschied sich für einen Alles-oder-Nichts-Schuss von der Dreierlinie — und scheiterte.

Um die Derbypleite aktiv zu verarbeiten, muss BBZ nicht bis zum kommenden Wochenende warten. Am Donnerstag empfängt BBZ Ligakonkurrent Grünberg zur zweiten Runde im Pokal (20.30 Uhr). "Da soll sich die Mannschaft den Meisterschaftsfrust aus den Klamotten spielen", meint Kunel.

BBZ: Biemer (17), Gülich (16), Hafner (2), Jaecker (16), Kunel (2), Nettersheim (15), Schmitz (3), Busch, Schmidt, Turnbull.

(sl)