Analyse : Bayers Trainerduo - Modell mit Manko

Warum die Konstellation mit Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä eine begrenzte Haltbarkeit in sich tragen muss.

Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski haben also nun unabhängig voneinander in der Öffentlichkeit bekannt, dass sie die Konstellation als Trainerduo mittelfristig nicht als optimal ansehen, weil das Modell im Alltag zu viele Kompromisse abverlange. In dieser Richtung hatten sie sich zuvor zwar auch schon geäußert, dennoch sind die neuerlichen Aussagen in den Tagen vor dem Bayern-Spiel in Bayers Umfeld das beherrschende Thema. Bange Fragen standen im Raum: Demontiert sich das Erfolgsduo etwa selbst? Scheitert das gefeierte Projekt am Ende an persönlichen Differenzen? Doch solche Fragen verfehlen den Kern des Themas. Denn die begrenzte Haltbarkeit des Modells mit zwei Verantwortlichen auf einer Trainerbank war bereits als Geburtsfehler angelegt. Es war und ist eine Idee, die wohl — Erfolg hin oder her — irgendwann daran scheitern muss, dass vor allem nach außen hin keine klare Hierarchie zwischen Hyypiä und Lewandowski auszumachen ist. Das bietet Angriffsfläche — intern wie extern.

Franz Beckenbauer und Holger Osieck, Rudi Völler und Michael Skibbe, Jürgen Klinsmann und Joachim Löw — die auf der Bank der Nationalmannschaft so erfolgreichen Trainerduos waren von der Rollenverteilung alle gleich angelegt: Es gab den charismatischen und populären Part (Beckenbauer, Völler, Klinsmann), der für die Öffentlichkeit auch ohne Trainerschein der unumstrittene Chef war. Und es gab den ob seines Trainerscheins benötigten, aber bewusst im Hintergrund arbeitenden, untergeordneten Part (Osieck — 1990 auch Berti Vogts, Skibbe, Löw). Auf eine derart deutliche Hierarchie mussten Bayers Verantwortliche bei der Installation von Hyypiä und Lewandowski im April 2012 jedoch notgedrungen verzichten, weil der DFB eine allzu offensichtliche Juniorrolle des Fußballlehrers Lewandowski auf Dauer nicht akzeptiert hätte — ein Manko.

Also hielt eine "schwammige Gewaltenteilung" auf der Leverkusener Trainerbank Einzug. Es gibt zwei vom Typ her sehr unterschiedliche Chefs — einen Team-"Chef" (Hyypiä) und einen "Chef"-Trainer (Lewandowski). Dass der Teamchef das letzte Wort habe, musste Sportdirektor Völler zwischendurch mal kundtun. Erkennen kann das bis jetzt nämlich niemand. Das Leverkusener Modell (vertraglich ausgelegt auf drei Jahre) lässt Lewandowski viel mehr Raum zur medialen Darstellung seiner Person als Osieck, Skibbe und Löw ihn in ihrer Rolle je besaßen. Selbiger Raum wird noch einmal dadurch vergrößert, dass Hyypiä wegen seines sprachlichen Nachteils die eigene Außendarstellung nicht gerade sucht. Es entspricht außerdem nicht seinem Naturell. Er ist kein Beckenbauer, kein Völler, kein Klinsmann. Hyypiä registriert zwar alles um ihn herum, ist aber kein Freund vieler Worte. Lewandowski dagegen füllt gerne die Rolle desjenigen aus, der in den Medien über Taktik und Konzepte reflektieren darf.

Hyypiä und Lewandowski müssen sich überlegen, wie lange sie ihre jeweilige Rolle im kompromissintensiven Modell erfüllen wollen. Wie lange will Lewandowski der sein, der zwar in Sachen Taktik und Trainingssteuerung das Gros der Arbeit erledigt, aber von oben immer wieder als Nummer zwei verkauft wird? Und wie lange will Hyypiä (selbst mit Lizenz in der Tasche) sich mit dem Part des Trainerneulings anfreunden, den die Vereinsführung aber in der Pole-Position sieht? Beide Rollen sind im Modell verankert. Sie waren so angelegt, und Hyypiä und Lewandowski haben sie diesem Manko entsprechend ausgefüllt. Überraschen können die jüngsten Aussagen des Duos also nicht. Allzu lange dauern kann das Modell genauso wenig.

(RP/ac)