Lokalsport : Bayer 04 bejubelt Benders Rückkehr

Der Mittelfeldspieler, der die WM verletzt verpasste, richtet den Blick ausschließlich wieder nach vorne.

Die Kapitänsbinde wechselte beim Testspiel von Bayer 04 Leverkusen gegen den FC St. Pauli munter durch. Da der etatmäßige Spielführer Simon Rolfes mit einem Syndesmosebandriss wochenlang ausfällt, trug sie eine Halbzeit lang Lars Bender. Weil der Mittelfeldspieler aber gerade erst von einer komplizierten Muskel-Sehnen-Verletzung im Oberschenkel genesen ist, nahm ihn Trainer Roger Schmidt zur Halbzeit seines Comebacks vom Feld. Die Kapitänsbinde erhielt dann Emir Spahic, der sie bei seiner Auswechslung in der 77. Minute an Gonzalo Castro weiterreichte.

Bei Bayer 04 hoffen sie, dass sich dieses Wechselspiel nicht allzu oft wiederholen muss, dass Bender so schnell es geht wieder über die volle Distanz spielen kann. Im Test gegen St. Pauli stand er das erste Mal nach 105 Tagen wieder in einem Spiel auf dem Platz. "Ich war einfach froh, wieder den Ball zu kriegen", sagte der Mittelfeldspieler, der wegen der im Trainingslager mit der Nationalmannschaft erlittenen Verletzung die WM und den Titelgewinn in Brasilien verpasste. Einen Einblick in seine Gefühlswelt zu dieser Zeit mochte er nun nicht geben: "Das war eine schwere Zeit, aber ich möchte da jetzt nicht mehr drüber reden. Das ist Blödsinn, das jetzt alles noch mal aufzuwärmen. Ich richte den Blick nach vorne und konzentriere mich auf Leverkusen."

Und da erwartet ihn seit Schmidts Amtsantritt ein neues Spielsystem. "Das war jetzt ein erster Einblick für mich", sagte Bender nach seiner Halbzeit gegen St. Pauli. "Das ist etwas völlig Anderes, etwas völlig Neues. Der Trainer hat eine ganz andere Idee vom Spiel. Wir sind froh, dass wir das so früh in der Saison schon gut umsetzen konnten. Es ist sehr kraftraubend, aber wir sind gut aufgestellt. Wenn alle mit anpacken, läuft das auch."

Wie es läuft, fasste Torjäger Stefan Kießling wunderbar auf die Frage zusammen, wo sich das Team derzeit sehe: "Wir sehen uns so, dass wir in die Gruppenphase der Champions League eingezogen und im Pokal eine Runde weiter sind - und im Moment stehen wir auf Platz eins." Bei dieser Auflistung brach dann doch ein breites Grinsen bei Kießling durch, auch wenn er direkt relativierte: "Wir müssen den Ball flach halten und weiter umsetzen, was wir trainieren, um zu gucken, was für Ergebnisse rauskommen."

Über Benders Comeback sagte der Stürmer: "Es ist sehr wichtig, dass Lars wieder zurück ist. Es ist für ihn - auf deutsch gesagt - scheiße gelaufen. Wichtig war jetzt, dass er eine Halbzeit gespielt und Spielpraxis gesammelt hat. Er macht einen guten Eindruck, so einer ist unglaublich wichtig für uns, so einen brauchen wir." Schmidt ergänzte: "Das ist natürlich positiv, dass Lars wieder spielen konnte. Ich hoffe, dass er das gut weggesteckt hat. Es war ein erster Schritt für ihn."

Das sah Bender ebenso: "Ich war lange raus, für mich war jetzt einfach der Moment wichtig, dass ich wieder gegen den Ball treten konnte. Ich durfte eine Halbzeit spielen, im Mannschaftstraining will ich jetzt den nächsten Schritt gehen und nicht Riesensprünge machen." Der so lange Verletzte fühlte mit seinem Kapitän mit, den er im defensiven Mittelfeld auch gleich vertreten hatte: "Für Simon ist das umso bitterer. Er war in einer super Form." Die lobte Schmidt ebenso, er merkte aber an: "So ist das im Fußball, da kann es immer passieren, dass man sich im Zweikampf verletzt. Wir müssen alles dafür tun, dass er bald wieder rankommt."

(RP)