Volleyball: Auf Augenhöhe mit Brinker

Volleyball: Auf Augenhöhe mit Brinker

Julia Schäfer ist 14 Jahre, 1,86 Meter groß und im U 16-Nationalkader. Für ihren Werdegang im Volleyball hat die Lützenkirchenerin hohe Ziele ins Auge gefasst – und setzt dabei auf ihr Können, nicht auf ihrem Namen.

Julia Schäfer ist 14 Jahre, 1,86 Meter groß und im U 16-Nationalkader. Für ihren Werdegang im Volleyball hat die Lützenkirchenerin hohe Ziele ins Auge gefasst — und setzt dabei auf ihr Können, nicht auf ihrem Namen.

Sie erinnert sich gut an die Spiele in der Sporthalle Ophoven, an Maren Brinker, Nadja Schaus, Karla Borger. "Ich stand neben ihnen und habe zu ihnen aufgeschaut", erzählt Julia Schäfer und legt dabei den Kopf in den Nacken. Die Zeit, in der sie zu den Leverkusener Volleyball-Größen hochgucken musste, ist vorbei. Schäfers Respekt vor dem Können der Vorbilder ist geblieben, aber körperlich "bin ich mit ihnen auf Augenhöhe".

Nicht zu übersehen

Mit ihren 1,86 Meter ist die 14-Jährige nicht mehr zu übersehen. Auch nicht für Juniorennationaltrainer Han Abbing. Er lud die Lützenkirchenerin für Ende November zu einem Sichtungslehrgang nach Kienbaum ein. "Insgesamt", erzählt Schäfer, "waren dort 60 Mädchen" und spielten vor für den U 16-Nationalkader. "Ich hatte Bedenken, dass ich es schaffe. Aber ich wusste auch um meine Stärken." Mit ihrer Größe überragt sie viele Altersgenossinnen beim Blocken und Angreifen. Das sah auch Abbing und reservierte ihr einen Platz im vorläufigen 22er-Kader.

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Die Nominierung ist der Höhepunkt im Sportlerleben der 14-Jährigen, aber wohl nur ein vorläufiger. "Vielleicht ist es eine Schwäche von mir: Aber ich setzte mir immer große Ziele." Die sehen langfristig vor: Erste Liga und Nationalteam. "Frauen-Nationalteam", ergänzt Schäfer. Diese Ziele habe sie bereits gehabt, als sie sich vor vier Jahren bei den Volleyballerinnen des TSV Bayer 04 anmeldete.

Bis dahin spielte sie Tennis. Mit vier Jahren griff sie zum Schläger, ließ ihn aber für den Volleyball wieder los. Vorangegangen waren Übungseinheiten mit ihrem Vater, Dirk Schäfer. Der ist in Sachen Volleyball ziemlich vorbelastet: Fast zehn Jahre spielte er beim TSV, half 1989 und 1990, zwei der drei Meisterschaften nach Leverkusen zu holen, gehörte bis 1991 zur Nationalmannschaft. Nicht selten wird Julia auf ihren Vater angesprochen: "Du bis doch die Tochter von ...".

Dirk Schäfer ist Kritiker und Förderer zugleich. Das mit dem Fördern begann vor Jahren im Urlaub am holländischen Strand. "Damals haben wir Baggern und Pritschen geübt", erzählt Julia Schäfer. Später wurden die Privatstunden im heimischen Garten fortgesetzt — inzwischen stehen dort fest installiert zwei Pfosten samt Schnur. Über Teilnahmen an Westdeutschen und Deutschen Meisterschaften etablierte sich die Neuntklässlerin des Landrat-Lucas-Gymnasiums in den Bayer-Jugendteams. Neben U 16 und U 18 spielt sie regelmäßig in der Damen-Verbandsliga. Auch mit der Zweitliga-Mannschaft trainiert sie zuweilen. Wow, gehe ihr dann durch den Kopf: "Toll, auf welchem Niveau sie dort spielen."

Auf ihrem Weg, sich an dieses Niveau heranzutasten, werden von Schäfer Entscheidungen verlangt. Der Verband sieht es gerne, wenn künftige Leistungsträgerinnen das Sportinternat in Münster besuchen, dort Schule und Sport unter einen Hut bringen. "Ich würde gerne noch ein, zwei Jahre in Leverkusen bleiben, schließlich bin ich erst 14." Bevor sie sich festlegt, werden nächstes Jahr aus dem 22er-Nationalkader zehn Spielerinnen ausgesiebt — Schäfer will zu den anderen zwölf gehören. Sie weiß, dass sie das schaffen kann, hat sich vorgenommen, alle von ihrem Können zu überzeugen. Dass der Name ihres Vaters ihr Türen öffnet, darauf kann sie verzichten. Wer ihr gegenüber Sätze mit "Du bis doch die Tochter von ..." beginnt, darf eine selbstbewusste Antwort erwarten: "Ich bin Julia, nicht Dirk."

(RP)
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