Lokalsport : Alle Augen auf Gina Lückenkemper

Deutschlands schnellste Frau startet heute in Jena in die Wettkampfsaison. Ziel der TSV-Sprinterin ist, ein Gefühl für das Rennen zu entwickeln. Höhepunkt der Saison sind für die 21-Jährige die Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin.

Mit der Verpflichtung von Gina Lückenkemper ist dem TSV Bayer 04 ein Transfercoup gelungen. Die 21-Jährige, die zu Beginn der Saison von der LG Olympia Dortmund an den Rhein wechselte, ist nicht nur Deutschlands schnellste Sprinterin und die erste Deutsche seit 1991, die 100 Meter unter elf Sekunden lief. Nein, sie ist zugleich auch ein Aushängeschild des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, ist aktuell in TV-Spots zu sehen und gilt als große Hoffnung für die Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin (6. bis 12. August). "Ich möchte wie 2016 mit zwei EM-Medaillen nach Hause fahren", sagt die Deutsche Meisterin über 100 Meter. Heute bestreitet Lückenkemper in Jena ihren ersten Saisonwettkampf. Auf der blauen Kunststoffbahn im Ernst-Abbe-Sportfeld startet sie über 100 Meter.

Nach Trainingslagern in Florida und Teneriffa freut sich die TSV-Sprinterin auf die Freiluft-Saison. Die EM-Qualifikations-Normen über 100 Meter (11,35 Sekunden) und 200 Meter (23,15) sollten für die gebürtige Soesterin Formsache sein. Die finale Entscheidung um die EM-Startplätze fällt allerdings erst am 21. und 22. Juli bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg.

Die starke nationale Konkurrenz scheut Lückenkemper nicht. Die Trainingsergebnisse in den vergangenen Wochen haben gezeigt, dass sie auf einem guten Weg ist. Auch die muskulären Probleme aufgrund einer Reizung im Kreuz-Darmbein-Gelenk sind überstanden. Diese hatten Lückenkemper dazu gezwungen, die Hallensaison frühzeitig zu beenden.

Das Rennen heute in Jena wird für das Talent ein erster Formtest. Eine schnelle Zeit hat sie dabei noch nicht im Fokus. "Ich gehe generell ohne große Ziele in die ersten Rennen. Zu Saisonbeginn geht es darum, ein vernünftiges Renngefühl zu entwickeln. Zeiten sind da noch nebensächlich", sagt sie. Ihr zweiter Start ist für Sonntag, 3. Juni, in Regensburg geplant. Dort wird die von Uli Kunst trainierte Athletin erstmals seit fast einem Jahr die 200 Meter bestreiten. Außerdem startet sie mit der deutschen Staffel über 4x100 Meter. "Wir wissen noch nicht, auf welche Strecke wir im Sommer den Fokus legen. Darum ist es wichtig, auch die 200 Meter zu laufen."

Nach Regensburg geht es für die Sprinterin zunächst nach Oslo (7. Juni) und dann nach Stockholm (10. Juni). Dort trifft die WM-Halbfinalistin jeweils über 100 Meter in der Diamond League - der Premium-Klasse der Leichtathletik - auf starke internationale Konkurrenz. Am 16. Juni stehen dann die Bayer-Classics auf der Fritz-Jacobi-Sportanlage in Leverkusen auf dem Programm. Dass die 21-Jährige überhaupt einen der begehrten Diamond-League-Startplätze ergattert hat, ist speziell ihrer starken Vorstellung 2017 zu verdanken. Mit 10,95 Sekunden im WM-Vorlauf von London unterbot sie als erste deutsche Sprinterin nach 26 Jahren die Elf-Sekunden-Marke. "Dadurch wird mir international mehr Beachtung geschenkt", sagt Lückenkemper. Zufrieden geben will sie sich mit der Zeit aber nicht: "Da geht auf jeden Fall noch was. Aber die Luft ist deutlich dünner geworden: Um jetzt noch schneller zu laufen, muss so ziemlich alles stimmen."

Am besten sollte am Abend des 7. August alles stimmen. Dann steigt auf der blauen Bahn des Berliner Olympiastadions das EM-Finale über 100 Meter.

(sb)
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