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Sport am Oulusee in Leverkusen: Initiative bekommt Inklusionspreis

Sport rund um den Oulusee in Leverkusen : Inklusionspreis für Laufinitiative

Leverkusener Eltern stellen einen Sporttreff am Oulusee für jungen Menschen mit und ohne Behinderung auf die Beine. Samstags laufen alle gemeinsam. Die Gruppe wird von zwei Sportstudenten betreut.

Wer ein neues Projekt gründet, der folgt häufig keiner plötzlichen Eingebung. Vielmehr versucht er, ein Problem so gut wie möglich zu lösen. „Bis vor vier Jahren gab es in Leverkusen viele Sportmöglichkeiten für Menschen mit und ohne Behinderung, aber sie waren stets voneinander getrennt. Es fehlte die Möglichkeit, gemeinsam Sport zu treiben“, sagt Anke Heitmeier, die deshalb 2016 die „Elterninitiative Inklusion“ gründete.

Zunächst lag der Fokus auf kreativen Projekten, wie Kunst-Ausstellungen. Darüber hinaus wurden Eltern kostenlos beraten, die von Inklusion betroffen sind. Seit Anfang 2018 veranstaltet die Initiative jeden Samstag ab 11 Uhr Lauftreffs rund um den Oulusee in Steinbüchel, dessen Strecke rund 1,1 Kilometer lang ist. Dabei treffen Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 17 Jahren aufeinander, die entweder keine Behinderung oder eine körperliche oder geistige Behinderung haben. „Wir sehen ein inklusives Miteinander als selbstverständlich an“, betont Heitmeier. Ihr Sohn hat eine Behinderung, ihre Tochter nicht: Beide sind kontinuierlich dabei.

Auch in der Bewältigung der Strecke wird differenziert. Jedem Teilnehmer ist es überlassen, ob er geht, joggt oder mit dem Rollstuhl fährt. Wer an einem Samstag an dem Lauf teilgenommen hat, bekommt dies mit einer Unterschrift auf einer Karte dokumentiert. Hintergrund: Nach zwölf Unterschriften darf sich das Kind oder der Jugendliche über eine besondere Überraschung freuen. „Die Teilnehmer werden zusätzlich motiviert“, sagt die Gründerin. „Zum Beispiel winkt für sie eine kleine Feier mit Luftballons.“ Während der Corona-Pandemie wurde der Lauftreff für einige Wochen ausgesetzt, doch viele Kinder und Jugendliche bewältigten selbstständig die Strecke. Das Ergebnis: Insgesamt legten die Akteure einen Weg von mehr als 900 Kilometern zurück.

Weil die Elterninitiative ein herausragendes Beispiel für Inklusion ist, wurde sie jetzt mit dem zweiten „Mitmän“-Preis des Landschaftverbandes Rheinland (LVR) ausgezeichnet. Er wurde von Physik-Studentin Linnea Heitmeier (19) entgegengenommen, die die Bewerbung eingereicht hatte. Die Tochter von Anke Heitmeier ist mit besonderem Engagement bei der Sache. Mit dem Preisgeld von 3000 Euro werden weitere Projekte begleitet.

Nun findet der Lauftreff trotz der Pandemie wieder statt – und wird von den Trainern David Wendling und Lena Semler betreut. Die Sport-Studierenden koordinieren die Übungen, die sich etwa neben Läufen ums Hürden-Überwinden drehen. „Wir haben Trainer gesucht. Als erstes kam David zu uns, der erst etwas skeptisch war. Dann hat er das Training einfach mal ausprobieren – und es hat gleich super geklappt. Lena kann ihn gut unterstützen“, berichtet Initiativen-Gründerin Anke Heitmeier.