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Leverkusen: Sozialer Wohnungsbau: WGL tadelt Stadt

Leverkusen : Sozialer Wohnungsbau: WGL tadelt Stadt

Ein neuer Stadtplan der Initiative Cleverkusen soll Wohnungssuchen bei der Orientierung in der Stadt helfen.

Die Politik hat vor der Bundestagswahl das Thema bezahlbarer Wohnraum wiederentdeckt. "Darüber wird gerade viel diskutiert. Wir wollen hoffen, dass das Wohnungswesen auch über den 22. September Aufmerksamkeit erfährt", sagt Wolfgang Mues, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Leverkusen (WGL).

Dass das Wohnungswesen in Leverkusen zumindest für Wohnungssuchende übersichtlicher wird, dafür soll ein Stadtplan sorgen, den der Initiativkreis Cleverkusen — ein Zusammenschluss verschiedener Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften — jetzt auflegt. Darin markiert sind die 15 000 Wohneinheiten von WGL, Gemeinnützigem Bauverein Opladen (GBO), Bauverein Bergisches Heim, Wilhelm-Sander-Stiftung und Baugesellschaft Filser.

"Es gibt in Leverkusen preiswerten Wohnraum. Der Quadratmeterpreis der 15 000 Wohnungen liegt unter dem von öffentlich gefördertem Wohnungsbau von derzeit 5,75 Euro pro Quadratmeter,", sagt Mues. Bei der WGL sind Wohnungen für rund 5,25 Euro pro Quadratmeter zu haben, beim Bergischen Heim auch für unter fünf Euro.

Der Stadtplan, der laut Mues eingeklappt in eine Westentasche passt, soll Wohnungssuchenden Orientierung geben. Dazu sind die Straßenzüge, in denen der Baubestand der Gesellschaften liegt, farblich markiert. "Ein einmaliges Projekt", sagt Klaus Heimann von der Initiative.

Die Stadt hat gerade ein Beratungspapier zur Förderung sozialen Wohnungsbaus herausgegeben, das am 15. Juli im Rat diskutiert wird. Die Cleverkusener sehen das Vorhaben zwiespältig. "Wir als Baugenossenschaft bauen frei finanziert, das berührt uns kaum", sagt Klaus-Dieter Kasper, Vorstand des Bauvereins Bergisches Heim. "Wir sind als Genossenschaft aber auch nicht auf Shareholder-Value aus, uns geht es um Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit." Bei der WGL macht sozialer Wohnungsbau einen Teil des Geschäfts aus. "Die Förderung des Staats ist sinnvoll", sagt Mues.

Er kritisiert: "Aber es müssen in Leverkusen auch Standorte dafür gefunden werden. Wenn die Stadt sagt, es müsse mehr billiger Wohnraum gefördert werden, dann muss auch der Bodenpreis dazu passen, da kann man nicht nach dem Höchstbietenden-Verfahren vorgehen." Die 15 000 Wohnungen hätten auf den städtischen Mietspiegel sogar eine "preisebremsende" Wirkung.

Dass in der Stadt die Grundsteuer erhöht werde, sei eher kontraproduktiv, "weil wir die zu 100 Prozent an die Mieter weitergeben müssen", erläutert Ulrich Reuter von der Wilhelm-Sander-Stiftung. "Wir versuchen die Nebenkosten dort zu senken, wo es geht, etwa bei Versicherung und Heizungswartung, aber wir können Kosten der öffentlichen Hand nicht senken."

Wolfgang Mues fügt noch einen Punkt an: "Es gibt immer neue Regelungen zu energetischen Standards, die die Baukosten in die Höhe treiben. Es kann nicht der wohnpolitische Ansatz sein, dass Leute wegen höhere Mieten aufgrund der energetischen Sanierung in nicht sanierte Häuser ziehen." Der WGL-Chef moniert: "Man kann nicht immer höhere Baustandards fordern und gleichzeitig billigen Wohnraum."

(RP/gre/rl)