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Leverkusen/Solingen: Solinger Pleite bewegt Genossenschaften

Leverkusen/Solingen : Solinger Pleite bewegt Genossenschaften

Der Bauverein GBO und die Volksbank zeigen sich verblüfft von der Pleite der Solinger Genossenschaft Ohligser Wohnungsbau, betonen aber: "So etwas ist eigentlich gar nicht möglich."

Diese Woche wird für die Mitglieder der Solinger Genossenschaft Ohligser Wohnungsbau (OWB) besonders spannend. Dann nämlich werden sie vom Amtsgericht Wuppertal erfahren, ob sie um weitere 1200 Euro pro Mitglied erleichtert werden. Ihre Wohnungsbaugenossenschaft war pleite gegangen, hatte diese so genannte "Nachschusspflicht" im September 2009 aber noch aus der Satzung gestrichen. Der Insolvenzverwalter hatte diesen Beschluss jedoch angefochten.

Begründung: Im Zusammenhang mit der OWB-Insolvenz seien noch rund 4,5 Millionen Euro an Forderungen nicht befriedigt. Auf der anderen Seite stünden lediglich Vermögenswerte in Höhe von etwa 800.000 Euro zu Buche. Nun werde eben über die Nachschusspflicht versucht, Geld in die Kasse zu bekommen, um Gläubiger zu befriedigen. Und es obliegt jetzt den Richtern, zu entscheiden, ob Genossenschaftsmitglieder für die Pleite ihrer Gesellschaft auch noch "haftbar" gemacht werden können.

In Leverkusen verfolgen zwei leidenschaftliche Genossenschafts-Vorstände diese Entwicklung in Teilen mit Fassungslosigkeit — Bernd Fass, Geschäftsführer des Gemeinnützigen Bauvereins Opladen (GBO), und Hans-Jörg Schaefer, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Rhein-Wupper. "Ich habe immer gesagt, dass eine Genossenschaft eigentlich nicht pleite gehen kann, und dazu stehe ich noch immer", sagte Schaefer gestern in einer spontanen Reaktion. Von allen unternehmerischen Organisationsformen — GmbH, OHG, KG oder Privatunternehmen etc. — sei die Genossenschaft eine, bei der Pleiten so gut wie nie vorkämen. "Dafür", sagt Schaefer, "sind die Kontrollmechanismen einfach zu stark", insbesondere im Bankenbereich. Im Falle der Volksbank ist ein wesentliches Kontrollorgan der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband, der unabhängig und akribisch prüfe. Schaefer: "Und sollten die feststellen, dass bei uns etwas nicht rund läuft, müssten meine Vorstandskollegen und ich jede Menge unangenehmer Fragen beantworten." Je nachdem, wie überzeugend das gelänge, "sitzt dann schnell ein anderer Vorstand hier". Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sei ein weiteres Prüforgan, das frühzeitig eingreife. Und selbst wenn das Unternehmen schon Schieflage haben sollte, werde es von anderen aus dem Verbund aufgefangen, so dass der Kunde und das Mitglied keine Nachteile hätten.

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Ähnliches berichtet Bernd Fass für den GBO, nur dass dessen Prüforgan "Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen" heißt. "Gerade unsere Mitglieder entscheiden sich für einen genossenschaftlichen Bauverein ja nicht in erster Linie wegen der vier Prozent Dividende pro Jahr, sondern wegen der Sicherheit", berichtet Fass. Bevor etwas wie in Ohligs passieren könne, müsse schon einiges zusammenkommen — dramatische unternehmerische Fehlentscheidungen etwa gepaart mit versagenden Kontrollmechanismen oder der fehlenden Bereitschaft, Konsequenzen daraus zu ziehen.

Die Mitglieder in Ohligs, sagt Volksbank-Vorstand Schaefer, seien allerdings jetzt doppelt gekniffen, denn "sie haben zusätzlich zu der womöglichen Nachschusspflicht ja schon ihre Einlagen verloren". Wie außergewöhnlich ein solcher Vorgang ist, kann der Bankenchef zumindest für seinen Geschäftsbereich deutlich belegen. "Seit den 1930er Jahren", sagt Schaefer, "kenne ich keinen Fall, wo Mitglieder einer Genossenschaftsbank Geld hätten nachschießen müssen."

(RP)