Mit 16 Jahren in die USA ausgewandert So hält Basketball-Legende Schrempf Kontakt nach Leverkusen

Seattle · Der erste deutsche NBA-Star verbrachte Kindheit und Jugend in Leverkusen. Bis heute hält Detlef Schrempf Kontakt in die Heimat. In Seattle traf er NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, der für eine Woche die US-Westküste bereist.

Detlef Schrempf (61), der erste deutsche Basketball-Spieler in der NBA, traf NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der für eine Woche die US-Westküste bereiste.

Detlef Schrempf (61), der erste deutsche Basketball-Spieler in der NBA, traf NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der für eine Woche die US-Westküste bereiste.

Foto: Maximilian Plück

Als die beiden hochgewachsenen Männer durch die Markthalle in Seattle wandern, tuscheln die umstehenden Menschen. Sie tun das nicht etwa, weil der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), an ihnen vorbeiläuft. Der ist inkognito unterwegs. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den 2,08 Meter großen Hünen neben ihm. Detlef Schrempf (61), der erste deutsche Basketball-Spieler in der NBA. Unter Basketball-Fans gilt er bis heute als Legende. Schrempf zeigt Wüst, der für eine Woche die US-Westküste bereist, seine Stadt.

Hendrik Wüst: Bilder von seiner USA-Reise
17 Bilder

Hendrik Wüst auf großer USA-Reise

17 Bilder
Foto: Maximilian Plück

Als 16-jähriger kam der Leverkusener in die USA, seit 1981 lebt er in Seattle, 1985 kaufte er dort das erste Haus. Doch seine Wurzeln hat er in Deutschland. Seine Mutter lebe immer noch in Leverkusen-Opladen. Seine Schwester wohne in der Gegend von Münster. Drei- oder viermal sei er im vergangenen Jahr nach NRW gereist, erzählt Schrempf. Wenn er ins Rheinland komme, dann sehe er seine Freunde und Mannschaftskameraden, mit denen er vor 40 Jahren gespielt habe. „Es ist immer gut, zurückzugehen.“ Dann treffe er auch Menschen, denen er viel zu verdanken habe wie seinen damaligen Coach Otto Reintjes.

„Ohne ihn hätte ich – was weiß ich – Fußball gespielt.“ Die Eltern hätten in Leverkusen bis vor zwei Jahren im gleichen Haus gewohnt, bis es gesundheitlich nicht mehr ging. Jetzt habe eine Nichte das Haus gekauft. Seine deutsche Erziehung stecke noch in ihm drin. „Meine Frau sagt manchmal, Du wirst fast wie dein Vater werden.“ Disziplin, Pünktlichkeit – das seien Dinge, mit denen er aufgewachsen sei.

Er sei der einziger Protestant in einer katholischen Grundschule gewesen. Keine ganz so angenehme Erfahrung. Doch grundsätzlich bilanziert er: „Meine Kindheit und Jugend in Leverkusen war total schön. Ich bin praktisch auf dem Dorf aufgewachsen, überall mit dem Fahrrad hingefahren. Und mit 16 war ich dann weg, da hat sich das Leben halt geändert. Ich gehe halt gerne zurück, aber ich könnte dort wohl nicht mehr leben.“ Den Fußball der Werkself habe er versucht, ein wenig zu verfolgen. Doch weil Bayer die Basketball-Abteilung eingestellt habe, sei das Verhältnis etwas abgekühlt. Aber noch im November habe er sich ein Spiel im Stadion angesehen.

Mit Blick auf den Basketball-Zirkus von heute sagt er, das Spielen selbst sei wohl das einfachste, aber man müsse als Spieler Vorstandsvorsitzender der eigenen Marke sein. „Wenn du da nicht die richtigen Partner hast, Agenten, Berater und Anwälte, wenn du diese Leute nicht um dich herum hast, dann geht es nicht gut.“ Er kenne Spieler, die verbrächten fünf Stunden am Tag auf Instagram und Twitter und reden und lesen alles. „Das ist nicht gesund.“ Positiv sieht er dagegen, dass es inzwischen deutlich mehr deutsche Spieler in die NBA geschafft hätten. Die seien dadurch praktisch wie eine kleine Familie und könnten sich gegenseitig unterstützen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort