Sitzung der Roten Funken in Leverkusen

Rote Funken : Kölsche Tön’ bei der Herrensitzung 

Die Roten Funken feierten im Forum mit Rednern und Gesangsgruppen aus der Domstadt. Wegen Konkurrenz des Fußballs gingen Besucher früher.  

Männer stehen auf Technik. Aber nicht nur deshalb kamen technische Neuerungen mit Bühnennebel und Feuerwerk bei ihnen besonders gut an, die am Sonntag von der Karnevalsgesellschaft Rote Funken präsentiert wurden. „Vorerst ist es ein Test“, kommentierte Literatin Anke Timm am Rande der gestrigen Herrensitzung im Forum. „Auch für die Zukunft kann ich mir gut vorstellen, dass das beizubehalten.“

Der Saal war zum Bedauern der Gesellschaft nicht ganz ausverkauft. Was vermutlich weniger am schönen Wetter lag, als vielmehr am Heimspiel von Bayer 04 in der BayArena, dass just zu einer Zeit begann, als die Funky Marys und die Ballettgruppe Fauth Dance Company auf der Bühne standen. So mancher Besucher hatte die Sitzung deshalb frühzeitig verlassen.

Ohnehin hören Männer erfahrungsgemäß lieber mehr Redner, als zu Musik abzufeiern oder Tänzerinnen zu beobachten. Nur schade, dass sie bei Jörg Runge (Dä Tuppes vom Land), einem der besten Redner, den der Karneval aktuell zu bieten hat, und noch dazu bei seinem einzigen Auftritt in Leverkusen, ziemlich unaufmerksam waren. Ein erfahrener Karnevalist war der Meinung: „Das war zu erwarten. Bei einer Reimrede muss man, ähnlich wie bei einem Hörbuch, aufmerksam zuhören.“

Runge war von Präsident Lothar Höveler als „Comeback der Reimrede“ in der Tradition von Hans Hachenberg (De Doof Noß) oder Gerd Rück (Weltenbummler) angekündigt worden. Woraufhin der „Tuppes“ in Reimform für die Rückkehr des traditionellen Karnevals, dem „Fasteleer der Herzen“, plädierte. Am Rande der Veranstaltung sagte er: „Erste Anfänge machen sich deutlich bemerkbar.“ Er sprach vor allem von der Reanimation der Kölschen Sprache. Kölsch habe den ganz großen Vorteil, die einzige Sprache zu sein, die man trinken könne, meinte der Tuppes und appellierte zugleich an alle Literaten, wieder mehr auf traditionelle Werte zu setzen. Ringsum in allen Sälen schwimmt Runge gerade auf einer Erfolgswelle und wird vom Publikum gefeiert. Dass es in Leverkusen diesmal nicht ganz so funktionierte, nahm er gelassen hin: „Herrensitzungen sind in der Regel sehr gut. Es hat trotzdem Spaß gemacht. Und ich komme gerne ins Forum.“

Im Foyer traf er sogleich auf zwei weitere Redner: Sohn Martin und Vater Fritz Schopps (Et Rumpelstilzje) folgten zufällig hintereinander – was selten vorkomme, bemerkten beide übereinstimmend. Bei der Gelegenheit sprach Schopps, der im Karneval als „lebende Legende“ gilt, auch über den bevorstehenden Abschied von der Bütt. Nach der Session 2021 plant der 72-jährige ehemalige Lehrer einer Gesamtschule in Köln-Höhenhaus den Beginn seines karnevalistischen Ruhestands. „Ich habe mir den Ausstieg ganz bewusst überlegt. Vielleicht kommt ein bisschen Wehmut auf, wenn der Zeitpunkt näher rückt. Im Moment bin ich jedoch in freudiger Erwartung“, kommentierte Schopps. Nach insgesamt 40 Jahren sei es ohnehin Zeit zum Rückzug. Im Karneval sei er insgesamt sogar noch länger unterwegs, da er schon 1973 im Schulkarneval mit dem Gesangstrio „Arm Söck“ auf der Bühne gestanden habe.

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