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Leverkusen: Sie wählen den neuen Bundespräsidenten

Leverkusen : Sie wählen den neuen Bundespräsidenten

Am Sonntag wird in Berlin das neue Staatsoberhaupt gewählt. Dass Frank-Walter Steinmeier (SPD) es wird, gilt als wahrscheinlich. Das Zünglein an der Waage könnten diese bekannten Köpfe aus Leverkusen und Umgebung sein.

Als vor einigen Wochen das Telefon klingelte und sich NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft meldete, hat TSV-Leichtathlet Markus Rehm (gewann bei den Paralympics 2016 Gold) einen Moment gestutzt. "Sie hat gefragt, ob ich an der Bundespräsidentenwahl teilnehmen möchte. Sie würde mich gerne vorschlagen", erzählt Rehm und wirkt immer noch ein wenig erstaunt darüber. "Einige Zeit vor dem Anruf hatte ich bei einer Veranstaltung mal neben ihr gesessen."

Rehm sagte zu, "weil das schon eine wichtige Entscheidung ist und eine Ehre, wenn man mitwirken darf." Eine Kreuzchenpflicht bei Steinmeier hat Rehm wegen des Kraft-Anrufs aber nicht, wenn er am Sonntag um 12 Uhr im Reichstagsgebäude sitzt und von Bundestagspräsident Norbert Lammert die Regeln für die Wahl erläutert bekommt- wie 1258 weitere Wahlleute.

Eine ganze Reihe von ihnen kommt aus Leverkusen und aus dem Rheinisch-Bergischen. Rehms TSV-Kolleginnen Britta Heidemann (Fechten) und Linda Stahl (Sperrwurf) zum Beispiel. Heidemann ist von Christian Lindner (FDP) angesprochen worden. "Er hat mir erklärt, worum es geht, und da habe ich nicht lange gezögert und zugesagt", erzählt die Sportlerin, die im Hosenanzug zum Termin geht. "Ich darf das Staatsoberhaupt mitwählen, das empfinde ich als eine große Ehre. Gerade aktuell ist meiner Meinung nach ein starker Bundespräsident wichtig, der eine nach innen wie außen verbindende Wirkung hat und der die Sorgen der Bürger aufgreift und diskutiert, damit sich alle mitgenommen und gut repräsentiert fühlen", betont Britta Heidemann, die sich über die Kandidaten und den Ablauf genau informiert hat. "Ich bin gespannt auf die Eindrücke." Aus dem Rheinland werden die Sportler unter ander die Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach (Rhein-Berg), Helmut Nowak und Karl Lauterbach (beide Leverkusen) und den Leichlinger EU-Abgeordneten Herbert Reul treffen. Letzterer ist salopp gesagt wirklich ein alter Hase im Präsidentenwahl-Geschäft. "Ich fragt mich, die wievielte Wahl das für mich ist. Ich glaube, die siebte oder achte", erzählt Reul gut gelaunt.

Ach so, also Routine? "Nur in dem Sinne, dass ich weiß, wo ich mich anmelden muss, dass es am Tag vorher eine Fraktionssitzung gibt, dass der Wahltag mit einem Gottesdienst beginnt. Aber ansonsten ist die Wahl jedes Mal ein feierlicher Moment. In diesen Zeiten erst recht. Es ist gut, dass die demokratischen Parteien mit dem gemeinsamen Kandidaten ein Signal setzen. "Wird Steinmeier ein guter Präsident? "Das werden wir sehen", sagt Reul vorsichtig und schüttet ein Lobes-Füllhorn auf Joachim Gauck aus, der das Thema freiheitliche Gesellschaft deutlich in den Fokus gerückt habe. "Das hat mir imponiert."

Apropos Füllhorn. Auch Karl Lauterbach hat das für Parteigenossen Steinmeier parat: "Köhler, Wulf, Gauck. Das ist jetzt meine vierte Wahl - für mich ein besonderes, weil persönliches Ereignis. Ich kenne Steinmeier seit 1998. Es ist für ihn das Amt, von dem er geträumt hat. Und er ist dafür wie gemacht, auch, weil er es als solch große Ehre empfindet", verrät Lauterbach, der Sonntag "eher zufällig", eine ganz neue Fliege tragen wird.

Dass Steinmeier als Oberhaupt Deutschlands "ein politischer Präsident" werden wird, davon ist Helmut Nowak überzeugt. Für den Leverkusener ist es die erste Präsidentenwahl, aufgeregt sei er nicht, sagt er ruhig, aber eine Ehre sei es. Steinmeier könne ein "guter Präsident werden, weil er Erfahrung als Chefdiplomat und so viel Fingerspitzengefühl hat".

Einig sind sich die Politiker hierbei: "Es wird nur einen Wahlgang geben", sagen Lauterbach und Nowak. Reul ergänzt: "Die Wahl dauert natürlich bei den vielen Leuten, dann wird ausgezählt, danach spricht der Frischgewählte ein paar Worte", sagt Reul, dann spricht seine Erfahrung: "Wenn alles gut geht. Ich erinnere mich an Wahlen, da haben wir Stunden da gesessen."

(RP)