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Shakespeare-Abend sorgte für Publikumsschwund

Bayer Kultur mit ungewöhnlichem Abend : Shakespeare-Abend sorgte für Publikumsschwund

Auf der Suche nach Shakespeare waren sowohl Christian Friedel und die Band "Woods of Birnam"als auch das Publikum von Bayer Kultur

„Also, wir gehen jetzt, wohin auch immer“: Mit diesen Worten verließ ein älterer Herr mit einer ganzen Gruppe von Besuchern das Erholungshaus in der Pause. „Das ist ja Körperverletzung“, fügte er an. Offen ließ er, ob er damit die Lautstärke der Geräusche meinte, die Musik mit den wummernden Beats oder die Überdosis an Theaternebel.

Ein Großteil des Publikums der Bunten Reihe beendete die Veranstaltung von Bayer Kultur am Samstag vorzeitig, manche hatten den Saal bereits während der Show fluchtartig verlassen. Alle mit der Frage: „Was hat das mit Shakespeare zu tun?“ Aber genau das vermittelte der Titel jenes Doppelgastspiels: „Searching for William“ mit Text-Ausschnitten. Diese Suche, diese Annäherung an den großen englischen Dichter unternahm Schauspieler und Sänger Christian Friedel mit der Band „Woods of Birnam“ mit eigener Musik und allen Verzauberungseffekten, die das Theater bei einem „konzertanten“ Literaturabend zu bieten hat: verzerrte Stimmen, Hall, Geräusche, aufwendige Lichtregie, Farben. Dazu mystischer Nebel, der Keyboarder Ludwig Bauer und Schlagzeuger Christian Grochau im Bühnenhintergrund fast dauerhaft umgab.

  • So viel Effekt muss sein: Die
    Im Neusser „Globe“ : Shakespeare-Pop mit viel Licht und Nebel                                                    
  • Theater "Searching for William"
    Christian Friedel und die "Woods of Birmingham" : Shakespeare als Popstar
  • Im Neusser Globe : Die Vielfalt der Shakespeare-Dramen

Bis Sänger Friedel eine Nebelmaschine in die Hand nahm und nicht nur in Richtung des Gitarristen Philipp Makolies und des Bassisten Uwe Pasora, sondern auch in den Saal blies. „Es ist nicht schlimm, wenn man im Theater etwas nicht versteht, manchmal ist es sogar ganz schön“: Mit den Worten hatte Friedel alle Anwesenden vor Beginn auf die Aufführung in deutscher und englischer Sprache vorbereitet. Daran mochten sich jene erinnern, die sich später mühten, die Texte mitzubekommen. Das war nicht in erster Linie ein Sprachproblem, sondern eher den Toneffekten geschuldet, die Friedels intensive Rezitation verstärken sollten. Shakespeare-Fans waren im Vorteil, weil ihnen Stichworte genügten, um sich Monologe der Hamlet-Tragödie zu erinnern, die hier mit Theaterdonner, Lichtblitzen und Stroboskopeffekten atmosphärisch gedeutet wurden. Unheimlich und markerschütternd wie die Geistererscheinung des verstorbenen Vaters mischen sich sich die Stimmen der Vergangenheit in den Monolog. Einzelne Zitate wie „Sein oder Nichtsein“ oder „Der Rest ist Schweigen“ waren Stichwortgeber für eigene Songs der Band.

In ähnlicher Weise wurden die Hexen und das Böse aus „Macbeth“ heraufbeschworen. Am zweiten Abend in der Reihe Jugendtheater fand dieses szenische Shakespeare-Konzert vermutlich mehr Zuspruch. Am Publikum der Bunten Reihe ging es vorbei.