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Sessionsaus wäre für Leverkusen ein "Riesendesaster"

Karneval in Leverkusen 2020/2021 : Drohendes Sessionsaus? – „Das schmerzt“

Karnevalsgesellschaften wollen die Entscheidung des Gesetzgebers zur fünften Jahreszeit abwarten. Rote-Funken Präsident spricht von „trauriger Geschichte“, FLK-Präsident von „Riesendesaster“.

Lothar Höveler schmerzt das karnevalistische Herz. Am Dienstag sprach sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dafür aus, die Session 2020/2021 komplett ausfallen zu lassen. Auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann geht eher davon aus, dass Karneval nicht stattfinden kann, sagt er am Mittwoch. In Wiesdorf sagt der Präsident der Roten Funken: „Das ist eine ganz traurige Geschichte.“ Vor allem deshalb, weil die Roten Funken in der kommenden Session 111. Geburtstag feiern und den Prinzen stellen.

„Nach dem Corona-Bestuhlungsplan dürfen 250 Leute in den Forum-Terrassensaal, wo normalerweise 1250 Platz haben“, sagt Höveler. „Das ist erstens nicht wirtschaftlich, zweitens gehört zum Karneval eine Schunkelstimmung, die ist so nicht machbar, drittens stellt sich die Frage: Wen lasse ich zur Veranstaltung dann rein?“, fragt er. Mit den anderen Gesellschaften im Dachverband FLK (Festausschuss Leverkusener Karneval), der in Thomas Lingenauber einen neuen Präsidenten gefunden hat, sei man einig: Sollte die Session ausfallen, dürfen die Roten Funken den Prinzen in der Session danach stellen. Wenn dann eine andere Gesellschaft ein Jubiläum feiere und einen Prinzen stellen dürfe, werde diese in der Session danach berücksichtigt. Höveler sagt auch: „Die Roten Funken sind für alle Eventualitäten gerüstet.“ Heißt, auch wenn vom Land oder Bund die Order käme, dass die Session komplett ins Wasser fällt.

Diese Entscheidung wollen die Altstadtfunken abwarten. „Der Gesetzgeber muss eine Entscheidung treffen. Wir müssen abwarten, wie sich die Situation entwickelt, man kann derzeit nur von Woche zu Woche planen. Das ist schon ein Ritt auf der Rasierklinge“, sagt Altstadtfunken-Kommandant Udo Kreie. „Bisher planen wir weiter.“ Die Altstadtfunken dürften dabei vermutlich aber auch schon mal über die Damensitzung, ihre größte Sitzung in jeder Session, eben mit normalerweise 1200 jecken Wievern im Forum nachdenken.

FLK-Präsident Lingenauber bezeichnet einen Sessionsausfall als „Riesendesaster. Das ist so, wie wenn ein Kind an Heiligabend keine Bescherung bekommt. Aber: Es trifft uns auch nicht unverhofft.“ Und auch nicht nur den Karneval. „Wir sehen das bei den Schützen, dem Sport, dem Oktoberfest.“ Der FLK habe bei den Vereinen abgefragt, was die sich wünschen. Tenor: ein klares Machtwort aus der Politik. „So gut es gemeint ist, dass kleine Veranstaltungen stattfinden dürfen, so groß ist die finanzielle Herausforderung. Wir reden von 10.000 bis 20.000 Euro oder mehr für eine handvoll Gäste, das ist absolut nicht wirtschaftlich“, betont Lingenauber. „Und was ist mit den Künstlern? Auf die Bühne der Stadthalle Bergisch Neukirchen, wo Lingenaubers Stadtgarde Opladen feiert, „kriege ich doch keine Musikgruppe mit Abstand drauf“.

Auch die Neustadtfunken sprechen bei einem drohenden Sessionsausfall davon, dass „das schmerzt“, sagt Präsident Stefan Hebbel. „Es ist im Moment schwer vorstellbar, dass wir dicht an dicht im Funkenkeller feiern werden. Ein Ausfall schmerzt nicht nur uns, sondern die Veranstaltungswirtschaft und die Gastronomie.“

Einen positiven Aspekt für die Vereine nennen Hebbel und Kreie: Sollte Bund oder Land offiziell die Session absagen, müssten die Vereine die Künstler nicht bezahlen, weil „die Verträge dann nicht mehr gültig wären“, sagt Kreie. Stefan Hebbel übt sich in Optimismus auf lange Sicht: „Die Gesellschaften in der Stadt haben Kriege und Wirtschaftskrisen überstanden. Auch mit der Corona-Krise wird das so sein.“ Komme die Absage, „werden wir einen Weg finden, wie wir unter Einhaltung der Regeln feiern können. Und sei es nur innerhalb des Vereins“, betont er. „Wenn wir auch räumlich stärker getrennt sein müssen, emotional werden wir näher zusammenrücken.“