Leverkusen Serien-Vergewaltiger muss zwölf Jahre in Haft

Leverkusen · Für zwölf Jahre schickt die Zweite Große Strafkammer des Kölner Landgerichts den 49-jährigen Steinbücheler in Haft, der sich für eine ganze Serie von brutalen Vergewaltigungen und verschiedene sexuelle Handlungen verantworten musste.

Die Bestrafung liegt damit knapp unterhalb der möglichen Höchstgrenze, wobei die bisher bereits verjährten Taten ihm sogar noch zur Milderung angerechnet wurden.

Ansonsten ließ der Vorsitzende Richter Kaufmann allerdings keinen Zweifel daran aufkommen, dass es sich hierbei um eine "haarsträubende Verbrechensserie" gehandelt habe. In seiner achtzigminütigen Begründung zählte der Jurist noch einmal alle Fälle auf, die aktenkundig und damit vor dem Gericht behandelt wurden - auch die bereits verjährten.

Damit wollte das Gericht auch diese Fälle zum juristischen Abschluss bringen. Zugleich räumte es ein, dass genau diese drei Fälle aus den Jahren 1991 und 1992 die Juristen davon abgehalten habe, das Strafmaß angesichts der eigentlichen Schwere voll auszuschöpfen. Denn damit hätte eine mögliche Revision vor dem Bundesgerichtshof eventuell Erfolg haben können, weil damit bereits verjährte Taten zur Aburteilung gekommen wären. Und das wollte keiner riskieren.

Bei der Schilderung der einzelnen Vorgänge stockte einem mitunter der Atem, zu welchen Grausamkeiten der Angeklagte, der die Verkündung des Urteils mit versteinertem Gesicht oder mit geschlossenen Augen verfolgte, fähig war. Von einem Einsehen seiner an Folter grenzenden Taten mit Würgegriffen und Todesdrohungen, von denen die letzten am Opladener Wupperufer stattfanden, war indes nichts zu spüren.

Offensichtlich auch nicht, als die Opfer ihre Aussagen vor dem Gericht machten. Im Nachhinein wurde auch deutlich, warum die Öffentlichkeit weitgehend bei der Beweisaufnahme ausgeschlossen worden war.

Denn es wäre den Opfern, die sich nach Schilderung des Gerichts bei ihren Aussagen schwer taten, einfach nicht zuzumuten gewesen. Eine inzwischen schwangere Frau soll bereits einen Schwächeanfall erlitten haben, als sie nur davon erfuhr, dass sie hätte vor Gericht erscheinen sollen. Ihr wurde der Auftritt vor der Großen Strafkammer erspart.

Der Richter machte allerdings auch deutlich, dass die Vertuschung von Taten beziehungsweise die Rücknahme einer Anzeige im Jahr 2007 letztlich keinem geholfen habe. Wiederholt hatte sich der 49-Jährige an die Frau eines Freundes herangemacht. Die nahm allerdings von einer Anzeige Abstand, weil sie Mitleid mit der damaligen Ehefrau und der Tochter des Angeklagten hatte.

Das hatte nur dazu geführt, dass der nun Verurteilte, der praktisch ein Doppelleben geführt hat, sich der Schwere seiner Straftaten offensichtlich nie bewusst wurde und einfach weiter machte. Die Schilderung einzelner Fälle zeigt jedoch, was für traumatische Erlebnisse das für die Opfer bedeutete, die heute noch - zum Teil zwanzig Jahre nach Tat - darunter leiden und professionelle Hilfe benötigen. Einem Opfer, das in der Nebenanklage ein Schmerzensgeld von 12 000 Euro beantragte, wurde im sogenannten Adhäsionsverfahren sogar ein Ausgleich von 17 000 Euro zugesprochen.

Auch wenn der in Witzhelden geborene Angeklagte aus schwierigen Familienverhältnissen kam und er offensichtlich ein anormales Frauenbild hat, das zu diesen Katastrophen führte, und er sich im "normalen" Leben als Freund mit viel Spaß am Fußball aufführte, attestierte ihm der psychologische Gutachter die volle Schuldfähigkeit.

(RP)
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