Serie zu Leverkusener Kneipen

Leverkusener Kneipen : Irische Insel mit Musik und Whiskybar

Im Notenschlüssel treffen sich nicht nur die Irlandfreunde. Auch Liebhaber von Jazz und Whisky fühlen sich hier besonders wohl.

Diese Kneipe könnte genauso gut in einem Dorf irgendwo auf der irischen Insel stehen. Tatsächlich befindet sie sich an der Friedrich-Ebert-Straße mitten in Wiesdorf in einer Reihe unauffälliger Häuser. Über dem Eingang des teilweise grün gestrichenen Hauses steht der Schriftzug „céad míle fáilte“. Das ist Irisch und bedeutet „Seien Sie 100.000 Mal willkommen.“

Genauso fühlt sich der Gast, sobald er das Lokal mit dem für Irland so untypischen Namen „Notenschlüssel“ betritt. Vor zig Jahren hieß die Kneipe in der City noch „Mauseloch“. Als Hanne Israel und Walter Försteling die Schankwirtschaft in den 1980er Jahren übernahmen, änderten sie die Bezeichnung wegen der Nähe zur gegenüberliegenden städtischen Musikschule. Dabei ist es geblieben, obwohl die Kneipe längst zu einem „Irish Pub“ geworden ist und ähnlichen Kultstatus wie die Jazzkneipe „Topos“ an der Hauptstraße genießt.

Musikinstrumente wie Posaune, Cello, Akkordeon und Gitarren hängen an dunklen Wänden und Decken der nostalgisch angehauchten Kneipe. Es sind überwiegend Geschenke von Musikern, die einst im „Notenschlüssel“ gespielt haben. Schließlich galt die Einrichtung als kleines Element der Leverkusener Jazztage. Akteure wechselten früher nach Auftritten im Forum  häufig zu zwanglosen Kneipenkonzerten entweder ins „Topos“ oder in den „Notenschlüssel“.

Seit 2012 steht Gerhard Zech dort hinter der Theke. Jedenfalls an vier Abenden pro Woche. Denn tagsüber ist der 61-Jährige als Leiter des Kartenbüros bei der Kulturstadt Leverkusen beschäftigt. Nach dem Ausscheiden der früheren Wirtsleute beschloss Zech, die Kneipe weiterzuführen. Er war dort häufiger zu Gast gewesen und stets begeistert vom Ambiente des Lokals, das ihn, wie er sagt, „an eine alte Dorfkneipe in der Mitte von nirgendwo“ erinnerte.

Beim bisherigen Musikangebot und Namen ist es geblieben. Bedingt durch Gerhard Zechs Irlandaffinität wurde allerdings aus einer „normalen“ Gaststätte ein Irish Pub. Mit verschiedenen irischen Bieren wie Guinness – neuerdings auch „Hop house 13“ –, aber auch deutschen Gerstensäften im Ausschank. Schließlich ist der Wirt Vorstandsmitglied im Verein „Irlandfreunde Leverkusen“, und der Wiesdorfer „Notenschlüssel“ gilt als deren „Wohnzimmer“. Insgesamt 70 Gäste finden darin Platz – jedenfalls, wenn sie stehen bleiben. Stühle gibt es für etwa 30 Besucher.

Wechselweise werden Livemusik, Lesungen oder Verkostungen angeboten. Gastwirt Zech betont: „Wir sehen uns nicht wie eine übliche Kneipe, sondern eher als ein kleines Kulturzentrum.“ Bei Konzerten standen beispielsweise schon der irische Gitarrist und Songwriter Kieran Halpin auf der kleinen Bühne, er gilt quasi als „Gottvater“ der irischen Musikszene. Paddy Schmidt, Kopf der 1988 gegründeten erfolgreichen Folk-Rock-Band „Paddy Goes to Holyhead“, zupfte ebenfalls die Fiddle, während Luzie Ronkholz, eine erst 16-jährige Singer-Songwriterin und Schülerin der städtischen Musikschule vor allem Lieder ihres Idols Joan Baez präsentierte. Bis auf wenige Ausnahmen ist der Eintritt frei, Künstler gehen in diesem Fall mit dem Hut herum.

Das gilt nicht für Verkostungen, die Whisky-Spezialist Alfred Prenzlow, zugleich Leverkusener Künstler und Pädagoge der Jugendkunstgruppen, im Zusammenhang mit Lesungen anbietet. Denn im Laufe der vergangenen Jahre hat sich der „Notenschlüssel“ nicht nur einen Namen als Konzertkneipe gemacht. Sondern der Pub wurde auch mehrfach als eine der führenden Whisky-Bars in Deutschland ausgezeichnet. Angebotsschwerpunkt ist irischer Whisky, den es in der Standardabfüllung einer Brennerei, aber ebenso auch in besonderer Qualität gibt.

Aus Platzmangel ist das Sortiment auf rund 200 Sorten begrenzt, wechselt aber ständig. Kunden aus Leverkusen und Köln, aber auch aus den Niederlanden wissen das. Sie schauen gerne rein und fragen einfach nach den Neuigkeiten in den Regalen.

Livemusik und eine große Whiskybar sind „Markenzeichen“ des Lokals. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Gerhard Zech hat seit Eröffnung des Pubs noch nicht einen Tag seiner Nebentätigkeit bereut. „Ich möchte noch lange hinter der Theke stehen. Es ist ein guter Ausgleich zum Beruf“, sagt er strahlend und kann gar nicht oft genug betonen: „Es ist ein Hobby, dieser Pub, aber ein ganz besonderes Hobby.“

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