1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Serie Mein Kiosk um die Ecke: Seit 2007 fünf Einbrüche und ein bewaffneter Überfall

Serie Mein Kiosk um die Ecke : Seit 2007 fünf Einbrüche und ein bewaffneter Überfall

"Kio" heißt sein Kiosk an der Lützenkirchener Straße, und der ist schon fast ein kleiner Laden: "Ein Tante-Emma-Laden", sagt der 38-jährige Kahraman Ercosman. 2007 hat der Kurde, der vor 23 Jahren nach Deutschland kam, den Kiosk übernommen. Seither hat er fünf Einbrüche, den ersten schon nach vier Wochen seit der Geschäftseröffnung, und einen bewaffneten Überfall miterleben müssen und viel, sehr viel "Lehrgeld" gezahlt.

"Kio" heißt sein Kiosk an der Lützenkirchener Straße, und der ist schon fast ein kleiner Laden: "Ein Tante-Emma-Laden", sagt der 38-jährige Kahraman Ercosman. 2007 hat der Kurde, der vor 23 Jahren nach Deutschland kam, den Kiosk übernommen. Seither hat er fünf Einbrüche, den ersten schon nach vier Wochen seit der Geschäftseröffnung, und einen bewaffneten Überfall miterleben müssen und viel, sehr viel "Lehrgeld" gezahlt.

Doch der zweifache Vater macht weiter, ist täglich von 5 Uhr in der Frühe bis abends um 21 Uhr, freitags und samstag sogar bis 22 Uhr für seine Kunden da. Denn arbeitslos will er nicht sein, obwohl er trotz der enorm langen Arbeitszeiten seine Familie mit dem Kiosk nicht ernähren kann: "Meine Frau geht auch arbeiten", berichtet Ercosman, der nur an Sonntagen frei hat. Als er den Kiosk vor sechs Jahren übernahm, war er hoffnungsvoll gestartet und hatte das Geschäft voller Waren. Doch dann geschah der erste Einbruch, und alles wurde verwüstet: "Ich wollte eigentlich aufgeben, aber meine Familie hat mir geholfen. Und die Händler haben mir Ratenzahlung ermöglicht", erinnert sich der 38-Jährige an seinen steinigen Anfang. Denn die Versicherung sei damals nicht für den Schaden aufgekommen.

Doch der Kioskbesitzer schützt sich und sein Geschäft mittlerweile mit einer Alarmanlage und einer Videoüberwachung. Denn es wurde bei ihm seither nicht nur jedes Jahr einmal eingebrochen. Vor zwei Jahren stand auch plötzlich ein vermumter Mann mit Pistole im Kiosk: "Ich war nur kurz weg, weil wir umziehen mussten. Und ausgerechnet in dem Moment, als meine Schwester nur kurz auf den Kiosk aufpassen sollte, da passierte es." Mit 800 Euro Beute, allem, was damals in der Kasse war, konnte der Täter fliehen. Und bis heute sei er nicht gefunden worden, bedauert Ercosman. Dabei habe er auf der Videoüberwachung genau erkennen können, dass der Räuber ein junger Mann, etwa 1,80 Meter groß, und ein Linkshänder gewesen sei.

Doch trotz der Rückschläge macht der 38-Jährige tapfer weiter. Das mag auch an seinen Stammkunden liegen, die vor allem aus der Nachbarschaft täglich zu ihm kommen: "Ich könnte ein Buch über meine Stammkunden schreiben, wie sie sich bewegen, was sie sagen. Ich weiß bei vielen schon im voraus, was als Nächstes kommt", verrät der Kioskbesitzer schmunzelnd. Seine Kunden finden bei ihm auch Dinge, die der Kioskbesitzer auf speziellen Wunsch in sein Sortiment aufgenommen hat: zum beispiel polnische Gurken, "weil ich hier auch polnische Kunden aus der Nachbarschaft habe", berichtet der Kurde, der aber auch türkische Börek (Teigtaschen), bergische Frikadellen und Katzenfutter, Streusalz sowie das übliche Programm eines fast rund-um-die-Uhr geöffneten Lädchens bereithält.

Seine Kundschaft wechselt im Tageslauf: Ganz früh morgens kommen die Leute, die zur Arbeit fahren, ab 10 Uhr die Schüler. Gegen 13 Uhr kommt die nächste Welle bis gegen 17 Uhr: "Dann ist es wieder ruhig, und kurz vor Schluss kommen immer noch Kunden, um schnell noch so was wie Alkohol und Zigaretten zu kaufen." Einer seiner Kunden, die eher zur Tageszeit kommt, ist Walter Etz aus der Nachbarschaft, der gerne bei Kahraman Ercosman am Kaffeetischen sitzt: "Ich bin wegen ihm hier", deutet er auf den Kioskbesitzer und fügt hinzu: "Ich komme schon so lange her, wie es den Kiosk hier gibt."

(RP)