Seilbahnen werden als Citytransport der Zukunft immer interessanter

Verkehrsplanung: Seilbahn – Citytransport der Zukunft

In etlichen NRW-Städten arbeiten Politik und Verwaltung an der Verkehrsalternative. Auch für Leverkusen ein lohnenswerter Gedanke, sagt WFL-Chef Frank Obermaier.

Am anderen Ende der Welt haben sie schon lange vorgemacht, wie der Autoverkehr in der Stadt abgemildert werden kann. Per Transportmittel-Lösung in der Luft: City-Seilbahnen. In La Paz (Bolivien) etwa gibt es gleich mehrere Seilbahnen. Dort soll bis zum Frühjahr ein Seilbahnnetz von rund 30 Kilometern entstehen.

Und in Leverkusen? Macht sich zwar die Politik seit Jahren Gedanken zur Verlängerung der Kölner Stadtbahnlinie 4 bis nach Opladen, zu Wassertaxen und Fahrradbrücken über den Rhein. Aber beim Thema Seilbahn wird bisher abgewunken. 2017 zum Beispiel brachte Frank Obermaier, Chef der Wirtschaftsförderung das Thema, das er für ein zukunftsweisendes hält, bei der CDU zur Sprache. Das Interesse damals war mau. Könnte aber jetzt an Fahrt aufnehmen, denn mit dem Finger auf der Landkarte muss niemand mehr tausende Kilometer über den Atlantik fahren, um auf Stadtseilbahnen zu stoßen, die Deutschlandkarte reicht. Eigentlich schon eine für NRW, denn in Leverkusens Nachbarschaft werden Seilbahn-Ideen immer konkreter.

Beispiel Wuppertal Da laufen unter den Titel „Seilbahn 2025“ Planungen, auf diese Art den Hauptbahnhof mit den südlichen Höhen zu verbinden. Auf 2800 Metern Länge soll es drei Stationen geben, etwa eine an der  Wuppertaler Uni. Die Bahn fährt mit 27 Stundenkilometern und kann 3500 Menschen pro Stunde und Richtung transportieren, heißt es auf der Projektseite, auf der auch die Kosten notiert sind: 82,7 Mio. Euro, die zwischen 75 und 90 Prozent förderungsfähig sein sollen. Aktuell diskutieren Stadt und Stadtwerke noch Detail-Fragen.  Die Idee zur Seilbahn übrigens kam von Bürgern.

Beispiel Köln Die kleine Ratsgruppe „Gut“ sagt: „Moderne Technologien erlauben es, die Seilbahn in einem kompletten Streckennetz zu denken.“ Mittlerweile könnten Seilbahnsysteme bis zu 7000 Passagiere pro Stunde und Fahrtichtung transportieren. So viel wie Doppelgelenkbussen im Zwei-Minutentakt. „Gut“ nennt als Vorteile: emissionsfreier Transport im Stadtraum, geringerer Energieverbrauch als bei Straßenbahnen. „Ein Seilbahnkilometer inkl. der Stationsinfrastruktur wird in der Regel mit  sechs bis acht Millionen Euro kalkuliert. Ein U-Bahnkilometer liegt bei etwa 250 Millionen Euro.“ Die Politiker können sich eine Nord-Süd-Strecke von 33 Kilometern mit 21 Stationen vorstellen.

Beispiel Bonn In der Bundesstadt liegt eine Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn vor. Die Bahn könnte von der Uniklinik auf dem Venusberg bis Bonn-Beul führen.

 Und in Bayern  hat der Münchener Stadtrat Ende vergangenen Jahres beschlossen, eine Seilbahnmachbarkeitsstudie zu beauftragen.

Frank Obermaier (WFL) findet das gut. „Seilbahnen sind eine interessante Variante, wie Bahnverkehr organisiert werden kann.“  Platzsparend, pünktlich, nutzerfreundlich, weniger kostenintensiv als schienengebundene Angebote, sagt er. „In München hat man bei der Streckenwahl wohl darauf geachtet, dass die Seilbahn nicht gerade durch eine Hochhaussiedlung führt, damit die Fahrgäste den Leuten nicht bis ins Wohnzimmer gucken können.“

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