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Leverkusen: Schweizer bauen Kraftwerk im Chempark

Leverkusen : Schweizer bauen Kraftwerk im Chempark

Es tut sich Großes im Chempark: 340 Millionen Euro will die Energie-Unternehmensgruppe Repower aus dem schweizerischen Poschiavo in Leverkusen investieren. Dort soll ab dem kommenden Jahr ein hochmodernes, klimafreundliches Gas- und Dampfturbinenkraftwerk entstehen.

Wiesdorf An Vorschusslorbeeren mangelte es gestern nicht: "Ein außerordentlich schönes Projekt", "zutiefst beeindruckend", "eine Werbung für den Standort" – das waren nur einige der Lobes-Kränze, die die Redner gestern Vormittag in der Wiesdorfer Bürgerhalle flochten. Dabei befindet sich das Projekt, um das es ging, noch nicht einmal im Genehmigungsverfahren, und auch der Vertrag ist noch nicht unterschrieben.

Die Schweizer Energie-Unternehmensgruppe Repower möchte im Chempark ein modernes Gas- und Dampfkraftwerk bauen, dessen Leistung gestern mit einer elektrischen Leistung von 430 Megawatt angegeben wurde. 340 Millionen Euro wollen die Eidgenossen in das Projekt investieren, das 25 neue, hoch qualifizierte Arbeitsplätze schaffen soll.

Seit 2008 ständig im Kontakt

Chempark-Betreiber Currenta will mit dem Dampf aus dem Kraftwerk die Unternehmen am Standort versorgen, Repower wiederum stellt in Aussicht, künftig rund 800 000 Privathaushalte mit Strom beliefern zu können. Die klimafreundliche und wirtschaftliche Technologie soll die bestehenden Gaskessel im Chempark entlasten und gleichzeitig in besonders verbrauchsstarken Zeiten, also vor allem werktags, sicherstellen, dass Energie jederzeit effizient bereitgestellt werden kann.

Seit 2008 stehen die Leverkusener und die Schweizer Strom-Experten in intensivem Austausch. Und sie sind derart überzeugt von ihrem Projekt, dass sie sich gestern bereits zur Bekanntgabe entschlossen, obwohl noch gar nicht alle Details geklärt sind. Oder wie Chempark-Leiter Dr. Ernst Grigat es ausdrückte: "Die Idee ist derart spannend und schon so weit entwickelt, dass wir sie Ihnen einfach schon jetzt vorstellen wollen." Bereits im kommenden Jahr könnte mit dem Bau des Kraftwerks begonnen werden, das auf der Stadtgrenze zu Köln entstehen, sich aber weder zum Güterbahnhof noch zu den Rhein-Angrenzungsflächen hin ausdehnen soll. 2014 soll das Kraftwerk ans Netz gehen. Die Kühlung des Systems wird übrigens nicht mit Rheinwasser erfolgen, wie Repower-Projektleiter Dr. Daniel Fritsche gestern versicherte: "Wir verwenden ein umweltschonendes Zellenkühler-System." Beide Partner sind zuversichtlich, gleichermaßen von dem Kraftwerks-Projekt profitieren zu können. Der stellvertretende Repower-Geschäftsführer Felix Vontobel erhofft sich, auf diese Weise die eigene Produktionsbasis im "Schlüsselmarkt Deutschland deutlich stärken" zu können. Grigat wiederum sieht sich dem Ziel, den Chempark zur Nummer eins in Europa in Sachen Attraktivität zu machen, "wieder ein Stück näher".

Bei Leverkusens Finanzdezernent Rainer Häusler rennt Grigat damit offene Türen ein. Der städtische Spitzenbeamte, der in Abwesenheit von Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn gestern das Grußwort der Stadtverwaltung überbrachte, lobte das Vorhaben in den höchsten Tönen: "Einen schlagenderen Beweis dafür, dass der Chempark-Standort Leverkusen/Köln Zukunft hat, gibt es nicht".

(RP)