Schützenfest in Bürrig: Schützenvögel mit kurzer Lebensdauer

Schützenfest in Bürrig : Schützenvögel mit kurzer Lebensdauer

Toni Schmitz stellt die Holzvögel her, die beim Kampf um Königs- und Prinzenwürde abgeschossen werden. Wie jetzt am Wochenende.

Im Grunde sind Schützenvögel eine seltsame Art. Erst werden sie nach Anleitung gebaut, geleimt und verziert – und beim Schützenfest einfach abgeschossen. Toni (Anton) Schmitz, Brudermeister, König und mehrfacher Kaiser der Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Bürrig/Küppersteg, baut die Holztiere seit 1998. Auch der Königsvogel für das jüngste Schützenfest stammte aus seiner Schreinerwerkstatt.

„Die schönste Zielscheibe ist natürlich der selbstgeschnitzte Adler. Aber ich denke nicht darüber nach, dass meine Arbeit innerhalb von einigen Stunden zunichte gemacht wird“, sagte der 57-jährige Inhaber eines gleichnamigen Bestattungsinstitutes in Bürrig, der dem Verein schon seit seinem 14. Lebensjahr angehört. Im Laufe der Jahre hat er mindestens 150 Holzvögel angefertigt. Für das Schützenfest baut er jeweils insgesamt drei große Vögel – darunter den Königsvogel – und einen etwas Kleineren für den Kinderprinzen.

Zunächst sägt er ein Stück Fichten-Weichholz aus einem Brett, legt eine Schablone auf und schneidet an ihr entlang einen 35 Zentimeter hohen, neun Zentimeter breiten und 40 Millimeter dicken Korpus. Dazu kommen zwei Flügel, die er mit der Bandsäge aus dünnem Sperrholz abteilt. Das Ganze wird zusammengeleimt, ehe dem Königsvogel abschließend noch das symbolische Krönchen aufgesetzt wird. Ganz zum Schluss wird das Tier weiß und mit einem Schuss Gold angestrichen.

Bei seinen Arbeiten hält sich Schmitz grundsätzlich an die Vorgaben des Schießstandsachverständigen. „Seit einigen Jahren dürfen wir nur noch auf dünne Vögel schießen, damit die Kugeln ins Holz dringen und nicht zurückkommen können“, sagt Schmitz.

Von vorne sehen alle Exemplare gleich aus. Aber nicht auf der Rückseite. Denn dort sind die Feinheiten und Fallstricke zu erkennen, die Schmitz eingebaut hat. Etwa, wo er das Exponat durch zusätzliches Sperrholz verstärkt hat. Toni Schmitz ist da ziemlich einfallsreich, denn der Vogel sollte keinesfalls zu schnell von der Stange fallen. Umgekehrt ist es aber ebenso wenig von Vorteil, wenn der Wettbewerb zu lange dauert.

Das war zuletzt 2017 so, als er selber Kaiser wurde. Denn natürlich beteiligt er sich als Vogelbauer auch an der Auseinandersetzung. Vorteile dadurch hat er nicht. „Irgendwann weißt Du nicht mehr, wie du den Vogel gebaut hast“, räumt er ein. Grundsätzlich sei es immer besser, so Schmitz, „wenn der Vogel eine Weile hält, damit Spannung beim Schießen und beim langsamen Fallen aufkommt.“

Weil die Entscheidung im Vorjahr zu seinem Entsetzen viel zu schnell beendet war, hat er sich in diesem Jahr etwas Neues überlegt. „Ob es funktioniert, wird sich zeigen“, sagte er vor dem Wettbewerb, mit dem das Schützenfest gestern Abend zu Ende ging und derjenige zum neuen Schützenkönig gekürt wurde, der die letzten Reste von der Stange holte.

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