Leverkusen: Schützen wehren sich gegen den Rassismus-Vorwurf der Unesco

Leverkusen : Schützen wehren sich gegen den Rassismus-Vorwurf der Unesco

Die Unesco unterstellt den katholischen Schützenbruderschaften ein "biodeutsches Verhalten".

Einen herben Dämpfer haben die Schützenbruderschaften dieser Tage vom Unesco-Expertenkomitee erhalten. Ihr Antrag zur Aufnahme in das Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes ist mit der Begründung zurückgestellt, die Bruderschaften hätten mit dem Ausschluss eines muslimischen Schützenkönigs vom Bundesschießen ein "biodeutsches Verhalten" in Form einer Ausgrenzung an den Tag gelegt.

Diese Argumentation weist die Europäische Gemeinschaft Historischer Schützen ebenso strikt zurück, wie auch der Leverkusener Stadtdechant Heinz-Peter Teller und der in Opladen ansässige Bundesgeschäftsführer Ralf Heinrichs. "Das ist eine Unverschämtheit!", schimpft Monsignore Teller. Den Bruderschaften werde von der Unesco ja nichts anderes als Rassismus vorgeworfen, folgert er aus dem Begriff "biodeutsch". Teller hält den Einwand und die Rückstellung der Bruderschaften als Unesco-Kulturerbe sogar für "eine politisch motivierte Diffamierung", schimpft der katholische Geistliche.

Er habe gerade die Bruderschaften immer als sehr offen gegenüber allen Nationalitäten erlebt, sagt Teller. Allerdings handele es sich um christliche Gemeinschaften, die demzufolge auch ihren Glauben repräsentieren dürften und müssten. Einem Rassismus-Vorwurf müssten sie sich deswegen nun wirklich nicht aussetzen. Es seien schließlich die Schützenbruderschaften, die von den rassistischen Nationalsozialisten verboten worden seien, erinnert Teller.

Entrüstet ist auch Ralf Heinrichs vom Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, deren Fäden in der Opladener Bundesgeschäftsstelle zusammenlaufen. Insgesamt 1270 Bruderschaften im Rheinland und weit darüber hinaus sind dieser Verwaltungseinheit angeschlossen, die wiederum auch eng mit der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen (EGS) zusammenarbeitet. "Uns Rassismus vorzuwerfen, ist absurd", sagt Heinrichs. Absolut selbstverständlich gehörten zu den Bruderschaften nicht nur Mitglieder aus Europa und damit auch aus den ehemaligen Feindesländern, sondern sogar auch Inder oder Afrikaner.

Zu nennen ist der Kameruner Augenarzt Dr. Raoul Cheuteu, der zu jedem Pfingst-Schützenfest nach Deutschland einfliegt, um in seinem Korschenbroicher Schützenzug mitzumarschieren und zu feiern. Und bis vor kurzem gab es laut Heinrichs in Stollberg einen ebenfalls schwarzhäutigen Schützenbruder aus dem Tschad. "Der war nicht nur voll integriert, er hat auch immer die Fahne getragen", berichtet der Bundesgeschäftsführer.

In ihrem Antwortschreiben an das Unesco-Expertenkomitee schreiben die Schützenbruderschaften, dass sie ihre Bewerbung zur Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufrechterhalten. Nun warten auch alle in der Opladener Bundesgeschäftsstelle gespannt auf die Antwort aus Bonn.

(RP)
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