Schüler testen in Schlebusch den toten Winkel

Verkehrserziehung in Schlebusch : Wenn Schüler im toten Winkel verschwinden

Beeindruckt klettert Mathilda aus der Fahrerkabine des 40-Tonners. Lange hatte sie in den Rückspiegel gesehen, in dem plötzlich die ganze Klasse der Neunjährigen verschwand. Der „Tote Winkel“, wie die Kinder zweier vierter Klassen der Gezelin-Schule nun lernten, ist ein besonders gefährlicher Bereich.

Bereits am Morgen hatte die Polizei in der Grunschule die i-Dötzchen im Unterricht erst theoretisch aufgeklärt, ehe diese auf dem Firmengelände der Spedition Hebbel das zuvor Gelernte praktisch überprüfen konnten. Dabei stellte Polizeioberkommissarin Nicole Weber fest: „Viele von ihnen haben noch nie davon gehört – oder sie wissen nicht, was es ist.“ Für Lehrerin Susanne Cieslik ist das keine Überraschung. Schließlich sind die meisten ihrer Schüler noch keine regelmäßigen und eigenständigen Teilnehmer am Straßenverkehr. Dass Eltern ihre Kinder oftmals bis an die Schule bringen und sie nicht alleine zur Lehranstalt fahren lassen, könne sie nachvollzienen. „Ich habe auch zwei Kinder. Man hat schon ein mulmiges Gefühl“, betonte die 47-Jährige. Gerade mitten in der Stadt bräuchten die Kinder ein wenig länger, um am Verkehr teilzunehmen.

Emily und die neunjährige Mathilda haben jetzt die Seiten gewechselt. Sie haben sich auf die weiße Plane gesetzt, die den Winkel verdeutlicht, der für viele Lkw-Fahrer nicht einsehbar ist. Zwar ist dieser von Fahrzeug zu Fahrzeug unterschiedlich, doch in diesem Fall beläuft er sich auf gut sechs mal vier Meter. Die 40-Tonner der Spedition Hebbel sind gut ausgestattet. An der Kabine sind spezielle Spiegel angebracht, die erst seit vier bis fünf Jahren Pflicht sind, und den Winkel verringern. Alle vier Jahre wird der Fuhrpark der Spedition ausgetauscht und mit aktueller Technik versehen. Gleichwohl ist das kein Grund, die Gefahr zu unterschätzen – und die Verantwortung an den Fahrer abzugeben. 

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