Leichlingen: Schub für die Städtefreundschaft

Leichlingen: Schub für die Städtefreundschaft

Leichlingens Feuerwehrchef Horst Schmidtberg über seine Erfahrungen im einwöchigen Unwettereinsatz auf der portugiesischen Insel Madeira, deren Hauptstadt Funchal seit 1996 Leichlingens Partnerstadt ist.

Die Leichlinger Feuerwehrleute Horst Schmidtberg, Bernd Thomsen und Jens-Uwe Kurth sind nach ihrem einwöchigen Unwettereinsatz auf der portugiesischen Insel Madeira wohlbehalten zurück in Deutschland. Im RP-Gespräch zog Stadtbrandmeister Schmidtberg, der gestern schon wieder an seiner Arbeitsstelle in Köln weilte, Bilanz.

Herr Schmidtberg, wie anstrengend war die zurückliegende Woche?

Schmidtberg Schon sehr anstrengend, das war definitiv keine Urlaubsreise. Nach unserer Ankunft haben wir sofort die von uns mitgebrachten Elektro-Pumpen und Schläuche abgeladen und sind mit dem Material in den Einsatz gefahren. Dabei waren wir drei Leichlinger immer an getrennten Orten beschäftigt. Jeder von uns hat jeweils mit einem Madeirenser zusammengearbeitet.

Wie konnten Sie denn helfen?

Schmidtberg Es musste eine Vielzahl von Kellern und Tiefgaragen ausgepumpt werden. Dazu mussten die Pumpen und Schläuche in Stellung gebracht werden. Zudem war die Wasserversorgung stellenweise unterbrochen. Polizei, Krankenhäuser und eine Bäckerei wurden von uns mit Frischwasser versorgt. Übernachtet haben wir in einer Feuerwache in der Inselhauptstadt Funchal. Dort haben wir auch viele andere Einsätze mitgekriegt.

Hat sich die Situation im Unwettergebiet inzwischen entspannt?

Schmidtberg Ja, deutlich. Die Madeirenser haben innerhalb der einen Woche unheimlich viel weggeschafft. Ich habe noch nie so viele Bagger, Muldenkipper und andere Räumfahrzeuge auf einem Haufen gesehen. Die Geschäfte waren teilweise bis an die Decke voll mit Geröll und Schlamm. Nach fünf, sechs Tagen war das weitgehend erledigt, eine Meisterleistung.

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Wenn die Aufräumarbeiten schon so weit fortgeschritten sind, ist es wohl erstmal nicht nötig, dass eine weitere Leichlinger Abordnung nach Madeira reist, oder?

Schmidtberg Nein. Aber wir haben die Pumpen noch dagelassen. Die sind weiterhin hilfreich, weil vereinzelt doch noch Keller unter Wasser stehen. Zwei der Geräte sind unter dem Dauereinsatz kaputt gegangen, das lässt sich aber vor Ort reparieren. Wir haben vor, ein paar Ersatzteile wie zum Beispiel Dichtungssätze nach Madeira zu schicken.

Wie haben die madeirensischen Feuerwehrleute auf die Unterstützung aus Leichlingen reagiert?

Schmidtberg Die Bombeiros haben uns sehr dankbar und herzlich aufgenommen, auch die von dem Unwetter direkt betroffenen Menschen. Viele haben uns auf die Schulter geklopft und sich vielmals bedankt. Auf Madeira hatte sich sehr schnell herum gesprochen, dass wir da sind. Soweit ich weiß, waren wir so ziemlich die einzigen aus dem Ausland, die geholfen haben. Selbst die Feuerwehr aus der Landeshauptstadt Lissabon war erst nach uns vor Ort.

Der deutsche Botschafter in Portugal hat in einem Brief an Bürgermeister Ernst Müller geschrieben, Leichlingen und seine Feuerwehr habe das Ansehen der Bundesrepublik in Portugal gefördert . . .

Schmidtberg So ein Schreiben tut natürlich unheimlich gut, zumal Lob und Dank sonst eher selten sind. Das entschädigt uns für die Strapazen, die wir aber gerne auf uns genommen haben. Ich kann nicht verstehen, dass es seitens des deutschen Innenministeriums zuerst so eine Aufregung um unseren Einsatz gegeben hat. Der seit 24 Jahren bestehenden Freundschaft zur madeirensischen Wehr und der Partnerschaft mit der madeirensischen Hauptstadt Funchal hat die Aktion jedenfalls noch einmal einen kräftigen Schub gegeben.

Stefan Schneider führte das Gespräch mit Feuerwehrchef Horst Schmidtberg.

(RP)