The Rocky Horror Show im Forum: Schräge Zeitreise mit Dr. Frank N Furter

The Rocky Horror Show im Forum : Schräge Zeitreise mit Dr. Frank N Furter

Das Theater Hagen brachte bei einem Gastspiel im Forum die Rocky Horror Show mit – und begeisterte so das Leverkusener Publikum.

Die Jazztage waren kurz zuvor erfolgreich zu Ende gegangen, da jagte im Forum der nächste Höhepunkt über die Bühne. Das Theater Hagen war zu Gast – und brachte eine hervorragende Umsetzung eines Klassikers mit: 2The Rocky Horror Show“ von Richard O’Brien.

Rund 700 Zuschauer ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen und sahen sich im großen Saal dieses bunte, laute und von Fans verehrte Meisterwerk aus den 1970er Jahren an. Was damals wegen des offensiven Umgangs mit Homosexualität als Affront begann, ist mittlerweile eines der bekanntesten Musicals der Welt.

Das Theater Hagen, dessen Gastspiel im Forum am Dienstagabend einmalig war, trat demnach in große Fußstapfen – füllte die aber wunderbar aus. Dabei stach Henrik Wager in seiner Rolle als Dr. Frank N Furter heraus. Das gab sicher auch die exorbitant laute und schrille Rolle her, doch erweckte Wager diese grandios zum Leben. So hatte er sich den Szenenapplaus gleich zu Anfang redlich verdient, als er in Lack und Leder auf High Heels, die gefühlt von der Bühne bis zum Mond reichten, eine lange Treppe hinauf ging und den angestimmten Ton dabei unheimlich lange hielt.

Insgesamt strotzt das Musical nur so vor liebenswerten und durchgeknallten Charakteren. Das steckt an. Und so durfte das charakteristisch aus den Zuschauerrängen herein gerufene „Langweilig“ während der Auftritte des Erzählers (Robert Schartel) nicht fehlen. Der wiederum ließ sich davon nicht beirren.

Ja, es gibt diesen ganz bestimmten Knigge während der Show, der sich des Publikums bemächtigt, um mitzumachen. Hundertfach war die „Überlebenstüte“ daher zuvor über die Ladentheke gegangen. Und die brauchten die Besucher auch, wollten sie Teil der Aufführung sein.

So flogen mehrmals Reiskörner durch die Luft – schließlich wurde geheiratet. Währenddessen hatten sich erfahrene Fans des Musicals gleich zu Beginn aus einer Zeitung eine Kopfbedeckung gemacht. Wer sich über den eher weniger modischen Kopfputz gewundert haben sollte (manchem stand sie mit der richtigen Falttechnik dennoch sehr gut), der sah sich schon bald der Auflösung belehrt.

Mit diebischer Freude spritzten sich die Zuschauer gegenseitig mithilfe einer kleinen Wasserpistole nass. Das hätte sicher den Polstern schaden können, dafür aber wurden kurz darauf – während auf der Bühne die Bandagen der Figur Rocky umherflogen – volle Klopapierrollen durch den Saal geworfen. Wie kleine Sternschnuppen mit einem Schweif aus billigem, einlagigen Papier bahnten sie sich ihre Wege durch die Luft. Sie saugten das Wasser später ganz sicher wieder auf.

Im Forum gab’s was auf Augen und Ohren. Foto: Klaus Lefebvre

So wurde das Musical genau das, was sich die Zuschauer darunter vorgestellt hatten: bunt, lustig, laut. Am Ende des zweieinhalbstündigen Spektakels traten sie gut gelaunt die Heimreise an – mit sicher mehr als nur einem Ohrwurm. Der ein oder andere dürfte  mit dem Kultsong „Time Warp“ im Ohr gar heim getänzelt sein.