Opladen: Schon mit 13 Jahren Komponist

Opladen: Schon mit 13 Jahren Komponist

Fünf Uraufführungen in einem Konzert, das gibt es nicht alle Tage. Zudem waren alle Komponisten anwesend bei dieser Veranstaltung der Reihe Orgelforum in der Opladener Bielertkirche. Der Jüngste gerade mal 13 Jahre; Ältester ist Kantor Michael Porr, der im Vorfeld die Kompositionswerkstatt leitete, selbst eine brandneue, sinnliche und beruhigende Nachtmusik beisteuerte und im übrigen das komplette Programm spielte, das sich thematisch am KulturStadtLev-Spielzeitmotto "Stadt-Leben" orientierte.

Die quirlige Geschäftigkeit einer Großstadt machte die Komposition von Philipp Brumhard (Jahrgang 1992) hörbar. "Busy" hat er das Stück überschrieben, in dem sich der Trubel mit gegeneinander versetzten Rhythmen kontinuierlich steigerte, um die Geschäftigkeit mit Einbruch des Abends wieder zur Ruhe zu führen.

"Busy" war auch der optische Eindruck, der den Zuhörern per Video vom Orgelspieltisch geliefert wurde. Ähnliche inhaltliche Gedanken inspirierten den 1991 geborenen Sebastian Plück zu seinem Werk "Long Day Short". Im Gegensatz zu dem geschlosseneren Stück von Brumhard setzte sich sein Klangeindruck vom Tagesablauf eines Städters aus kleinen unterschiedlichen Szenen zusammen, angestoßen vom nervigen Signal eines elektronischen Weckers. Lebhafte Bilder stellten sich bei dieser assoziativen Musik ebenso ein wie beim "Großstadtflimmern", das die 1990 geborene Maybritt Metzger erdacht hatte. Mit nervösem Flirren hat sie den melodiösen Anfang ihres mehrteiligen Werkes überzogen. Außer Konkurrenz zu den jungen Erwachsenen und angehenden Abiturienten mit Leistungskurs Musik hat sich Jonathan Mümbken (Jahrgang 1997) relativ frei und aus reiner Lust am Ausprobieren eine Klangszene "In der Stadt" überlegt. Keine Frage, dass dieser Kompositionsübung eine intensive Beschäftigung mit Klavierstücken von Mozart und Haydn voraus ging.

Dass junge Menschen Theater spielen, Kabarett machen oder in einer Schreibwerkstatt kreativ werden, gibt es in Leverkusen durchaus häufiger. Ein Kompositions-Projekt, das von KSL-Musikreferent Horst Scholz angestoßen wurde, ist dagegen bisher einmalig. Michael Porr, der den jungen Komponisten mit Rat und Tat zur Seite stand, lobte vor allem deren Durchhaltewillen.

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Als Komponist weiß er sehr gut, dass einen in der Regel nicht einfach aus heiterem Himmel die Muse küsst. Wer Musik schreiben will, brauche neben Ideen und handwerklichem Wissen vor allen Dingen Sitzfleisch, Ausdauer und die Fähigkeit, seiner eigenen Frustration begegnen zu können, argumentiert Porr.

Beflügeln mag es hinterher, wenn so ein beachtliches Ergebnis hörbar wird und man im Programm in einer Folge mit Bach, Mussorgski und Vierne genannt wird, deren Stücke einen großen und würdigen Rahmen für diese Präsentation bildeten.

(RP)