Leverkusen: Schön: theatralische Rezitation von Kästner-Werken im Schloss

Leverkusen: Schön: theatralische Rezitation von Kästner-Werken im Schloss

Seine Kinderbücher machten ihn weltberühmt. Und sie wurden sogar weiter verkauft, als Erich Kästner mehrfach von der Gestapo verhört, aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen und von den Nazis mit Schreibverbot belegt worden war. Ironie des Schicksals. Immerhin halfen "Pünktchen und Anton", "Emil und die Detektive" oder "Das fliegende Klassenzimmer" seinen Lebensunterhalt zu verdienen, außerdem die Drehbücher für populär gewordene Filme wie "Drei Männer im Schnee" oder "Die Züricher Verlobung", die er unter Pseudonym veröffentlichte. Entsprechend groß war auch der Anteil an Kinderliteratur auf dem Büchertisch der Buchhandlung Gottschalk bei der Februar-Ausgabe von Museum Litterale im Schloss.

Manfred Gottschalk hatte wieder einmal das Dortmunder Roto-Theater eingeladen, das im Spiegelsaal schon verschiedene Rezitationsprogramme vorgetragen hat. Dieses Mal also der große "Erich Kästner Abend", der ausverkauft war. Kästner geht immer, auch wenn ein solcher Abend wenig Überraschung bietet. Sowohl die Biografie, an der entlang Barbara Kleyboldt und Rüdiger Trappmann die Auswahl an Gedichten und Prosa getroffen hatte, als auch die meisten Texte waren für Kästner-Freunde nicht neu. Die Art des Vortrags allerdings unterschied sich doch von vielen anderen Rezitationen. Denn Kleyboldt, die stark geschminkt im schwarzen Anzug mit Fliege auftrat, beschränkte sich nicht auf einen Gedichtvortrag. Sie verließ die Bühne, ging durch den Raum, wandte sich an die Zuhörer, während sie Kästners Worte mit Gesten und Mimik untermalte. Eine theatralische Rezitation, die Trappmann mit biografischen Infos einleitete.

Bei der Textauswahl haben sie darauf geachtet, Kästner als den scharfen Beobachter und Moralisten seiner Zeit herauszustellen, der er nicht nur als Journalist, sondern auch als Lyriker war. Satirisch, kompromisslos und zunehmend mit bitterem Unterton, der auch mit sich selbst gnadenlos ins Gericht geht. Und immer wieder mit Eltern, die ihre Aufgabe nicht erfüllen, weil sie seiner Meinung nach ihren Kindern mit zu wenig Aufmerksamkeit begegnen. Etwa in der Ballade "Das Riesenspielzeug" von 1932: "Einst habt ihr leider nicht bedacht: dass Kinder haben auch verpflichtet. Ihr wart auf uns nicht eingerichtet, ihr habt uns nur zur Welt gebracht."

(mkl)