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Leverkusen: Schockanrufe: im Gefängnis mit den Straftaten geprahlt

Leverkusen : Schockanrufe: im Gefängnis mit den Straftaten geprahlt

Es ist zwar nicht ungewöhnlich, aber es kommt auch nicht besonders häufig vor, dass Beamte als Zeugen in einem Strafgerichtsprozess vernommen werden, die die Untersuchungshäftlinge beaufsichtigten.

So erzählte ein Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt von einem jungen Häftling, der ihm gestern im Saal 7 des Kölner Landgerichts auf der Anklagebank gegenübersaß. Und was der Betreuer, der sich selbst als "Handwerker" bezeichnete, um die Jugendlichen bei der täglichen Arbeit anzuleiten, sagte, dürfte dem 19-Jährigen, der zu einer fünfköpfigen Bande gehören soll, kaum gefallen haben. Denn der Angeklagte soll den Aussagen des Zeugen zufolge in der Haft mit seinen Straftaten geprahlt haben.

Der betroffene Angeklagte gehört laut Anklage zu der fünfköpfigen Gruppe aus der stadtbekannten Leverkusener Großfamilie, die sich derzeit wegen bandenmäßigen Betrugs vor der 15. Großen Strafkammer verantworten muss. Ihnen wird vorgeworfen, in den ersten Monaten des vergangenen Jahres durch systematische Schockanrufe bei ausschließlich älteren Frauen Geld und Schmuck ergaunert zu haben.

In Knast, so sagte der JVA-Mitarbeiter, sollen die straffällig gewordenen Jugendlichen wieder an eine tägliche Arbeit gewöhnt werden. Doch der 19-Jährige war da wohl nicht besonders "lernfähig". Zuvor hatte der Vorsitzende der Kammer dem Angeklagten schon einmal vorgehalten, dass er sich wie "der King of Knast" aufgeführt hätte. Die JVA hatte einen entsprechenden Aktenvermerk an das Gericht geschickt.

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Gestern wurden auch drei weitere Kripobeamte gehört, die an den Ermittlungen, die vor allem im April letzten Jahre stattgefunden haben, beteiligt waren. Sie bestätigten im Wesentlichen die Aussagen ihrer zuvor gehörten Kollegen. Auch diesmal wurde deutlich, dass die Polizei zügig gearbeitet hatte und trotz Personalengpässen während der Osterferien den Fall schnell abschließen wollte, weil die Straftaten eine "hohe Schlagzahl" aufwiesen. "Wir mussten große Mengen von Informationen aus der Innenraumüberwachung des Fahrzeugs aufarbeiten." Was auf Anweisung der Vorgesetzten zeitnah geschehen sollte, damit alles so schnell wie möglich an die Staatsanwaltschaft gehen konnte.

Schließlich ging es auch darum, die vier Männer zusammen mit einem mobilen Einsatzkommando (MEK) festnehmen zu lassen. Die fünfte Angeklagte ist die Frau eines Beschuldigten, die nicht in Untersuchungshaft sitzt. Die Verhaftung konnte praktisch nur auf frischer Tat am 5. Mai gelingen, weil auch das MEK nicht zu jeder Zeit zur Verfügung stand. Der Prozess wird am 20. März fortgesetzt. Die Urteilsverkündung ist für den 17. April zu erwarten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Betrügerbande: Durchsuchungen in Leverkusen

(sg-)