Schmerzpatient aus Leverkusen klagt auf Cannabis-Behandlung

AOK-Versicherter aus Leverkusen: Schmerzpatient klagt auf Cannabis-Behandlung

Florian Liese aus Leverkusen ist seit 13 Jahren Schmerzpatient. Sein Arzt verschreibt ihm Cannabis-Blüten. Doch die Krankenkasse will die Behandlung in seinem Fall nicht bezahlen.

Es sind diese kleinen, grünen Blüten, die Florian Lieses Leben erleichtern. Zumindest für den Moment nehmen sie ihm die Schmerzen, schaffen Erleichterung. Der 35-Jährige ist Schmerzpatient.

Seit einem Bandscheibenvorfall vor 13 Jahren hat er täglich mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Doch das Cannabis, das der Arzt zur Behandlung verschrieben hat, muss Florian Liese selbst zahlen. Seine Krankenkasse, die AOK, will die Kosten nicht übernehmen.

Seit März 2017 gibt es das bundesweite Cannabisgesetz. Ärzten können demnach Cannabis-Präparate verschreiben, wenn alle übrigen Behandlungswege ausgeschöpft sind. Genau das ist der Streitpunkt in Lieses Fall.

Im Fitnessstudio hatte sein Leiden angefangen. Der Leverkusener saß auf der Beinpresse, als ein stechender Schmerz durch seinen Rücken fuhr. Die Diagnose Bandscheibenvorfall kostete ihn seinen Job im Einzelhandel.

Seitdem scheint die Krankenakte des Leverkuseners kein Ende zu finden: zwei Operationen an der Wirbelsäule, Massagen, Krankengymnastik und Akupunktur, Behandlung mit Schmerzmitteln, unter anderem Ibuprofen, und Opiate.

Sein Hausarzt bescheinigt ihm eine chronische Schmerzstörung. Die Behandlung mit Opiaten sei nicht wirksam gewesen. Außerdem hatte Florian Liese nach eigener Aussage mit starken Nebenwirkungen zu kämpfen: Müdigkeit, starkes Schwitzen, aber auch Reizbarkeit und Aggressivität.

Auch eine Psychotherapie hatte Liese begonnen - allerdings ohne Erfolg. Darum brach er die Behandlung nach etwa einem Jahr ab - nach der zweiten OP 2013. Liese und sein Arzt sind überzeugt, dass die Schmerzen keinen psychischen Ursprung haben. "Sonst würde das Cannabis ja auch nicht wirken", sagt er.

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Doch die AOK übernimmt nur in "begründeten Ausnahmefällen" die Behandlung mit Cannabis, wie es in einer Stellungnahme heißt. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüfe jeden Einzelfall. Die Gutachter glauben, dass Florian Liese auch mit anerkannten Schmerzmitteln behandelt werden könnte.

Es ließe sich nicht verifizieren, dass er nicht auf andere Therapien anspricht. Es fehlten detaillierte Angaben zur bisherigen Therapie. Auch die Nebenwirkungen seien nicht bewiesen. Florian Liese hätte beispielsweise Schmerztagebücher führen müssen, um das zu belegen. "Aber davon wusste ich nichts", sagt der 35-Jährige. Nun zieht er vors Sozialgericht.

Grund für die Ablehnung sei der gesetzlich eng abgesteckte Rahmen. "Wir gehen davon, dass der Gesetzgeber die Regelungen zur Erstattungsfähigkeit von Cannabis im Sinne einer besseren Patientenversorgung anpasst", sagt eine Sprecherin der AOK Rheinland/Hamburg. Die Behandlungsmöglichkeiten mit Cannabis seien zu breit, die Wirkung nicht nachgewiesen. Und vor allem seien die Kosten deutlich höher als bei Opiaten.

Das weiß Florian Liese: Er muss für die Cannabisblüten aus eigener Tasche aufkommen. 70 Euro zahlt er für eine Fünf-Gramm-Dose. Um auf seine verschriebene Dosis von 45 Gramm im Monat zu kommen, müsste er also 630 Euro ausgeben.

Zumindest kann Florian Liese mittlerweile wieder arbeiten: Im November vergangenen Jahres hat der Leverkusener eine Weiterbildung zum Betreuungsassistenten in der Pflege absolviert. Menschen mit Demenz zu betreuen ist eine Tätigkeit, die er hauptsächlich im Sitzen und Stehen erledigen könnte - trotz seiner Schmerzen.

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(veke)