Leverkusen Schlebusch-Mitte als Hochsicherheitszone

Leverkusen · Das Dorf in Schlebusch war an Altweiber hermetisch abgeriegelt. Mehr als eine halbe Hundertschaft an Security-Leuten sorgte dafür, dass niemand mit Gläsern und Flaschen zum Altweibertreiben rund um den Lindenplatz kommen konnte.

 Die Malteser bauten eine Auffangstation für Betrunkene und Verpflegungszelte nahe Lindenplatz auf.

Die Malteser bauten eine Auffangstation für Betrunkene und Verpflegungszelte nahe Lindenplatz auf.

Foto: Uwe Miserius

"Ja was ist das denn hier", empörte sich Dieter Straschitz, der mit seiner Ehefrau Weibersturm und Straßensitzung in der Schlebuscher Fußgängerzone sehen wollte. "Ich beobachte überall nur Security-Leute in ihren orangefarbenen Westen", sagte der 58-Jährige. "Die haben jedes Schlupfloch dichtgemacht, durch das man in die Fußgängerzone gelangen kann", schilderte er seine Eindrücke.

Fertig für die Arbeit mit "Alkoholleichen": das Innere einer der Auffangstationen.

Fertig für die Arbeit mit "Alkoholleichen": das Innere einer der Auffangstationen.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Die meisten würden das ja verstehen, dass darauf geachtet werde, dass kein Glas mitgebracht werde, sagte Dieter Fürsich, der jedes Jahr zum Altweibertreiben in die Fußgängerzone kommt. Aber gleich ein derart großes Aufgebot an Sicherheitskräften. Das verstehe er nicht so ganz.

 Nachmittags zogen Polizisten die ersten Feiernden vorübergehend aus dem Verkehr, Sanitäter Betrunkene.

Nachmittags zogen Polizisten die ersten Feiernden vorübergehend aus dem Verkehr, Sanitäter Betrunkene.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Für Irmgard Wischnowsky, die sich als "jeck" bezeichnet, sind noch nicht einmal die kaputten Gläser und Flaschen das Problem, die bis vor zwei Jahren das Laufen in der Fußgängerzone so gefährlich machten. Das sei ja jetzt durch die Aktion "glasfrei" ausgestanden. "Aber schauen Sie sich doch nur den Alkoholkonsum der meisten jungen Leute an Altweiber in Schlebusch an." Denen sei es doch egal, ob sie ihr Bier oder ihren Fusel aus einem Glas oder aus Pappbechern trinken würden, die jetzt an den Kontrollstellen verteilt würden.

Übel stieß es Dieter Straschitz auf, dass an manchen Geschäften junge Frauen mit Tabletts standen, die gefüllt waren mit Bier und härteren Getränken. "Die wurden dann an Passanten verteilt. Da greifen so viele zu." Und was seien die Folgen? "Nach einiger Zeit sind sie sturzbesoffen." Das gelte sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene.

Auch der Malteser Hilfsdienst war am Donnerstag in Schlebusch im Großeinsatz. Insgesamt waren drei Zelte aufgebaut worden, damit "Alkoholleichen" dort versorgt werden konnten. Die Malteser rechneten mit den ersten "Kunden" um 18 Uhr. Bis dahin hatte die Polizei acht Anzeigen wegen Körperverletzungen geschrieben, eine wegen Drogenmissbrauchs, eine wegen Sachbeschädigung und einen Platzverweis erteilt.

Für Zwischenfälle im Verkehr sorgten Busfahrer. Sie hatten offensichtlich nicht den Fahrplan studiert, landeten mit ihren Fahrzeugen in einer Absperrung und mussten wieder kehrtmachen.

An den Glas-Kontrollstellen gab es bis zum frühen Nachmittag keinerlei Probleme. Wer eine Flasche mit alkoholischen Getränken mitgebracht hatte, durfte die Flüssigkeit in bereitstehende Pappbecher umfüllen. Da gab es keinerlei Proteste. Übrigens: Ja, Karneval wurde natürlich auch gefeiert. Rund 100 jecke Weiber übernahmen für einen Tag die Herrschaft und machten sich auf zum Lindenplatz, wo im Festzelt eine Sitzung der Karnevals-Gesellschaft Grün-Weiß Leverkusen stattfand. "Eisbrecher" war der "Kölsche Italiener", der die Jecken im vollen Zelt gleich mit "Loss mer fiere, nit lamentiere" in die nötige Stimmung brachte.

Für Kurzweil sorgten im Zelt auch noch die Schlebuscher Clowns, Lutz Kniep, die Stadtgarde Opladen, "Jood Drop" sowie die Neustadtfunken aus Opladen. Höhepunkt war der Auftritt von Leverkusens Prinz Heinz VII. mit seinem Gefolge. Und wer allen Ernstes geglaubt hatte, dass nach der Sitzung im Zelt schon Feierabend war, sah sich getäuscht. Die meisten Jecken gingen noch in die Schlebuscher Kneipen, wo munter weiter Karneval gefeiert wurde.

(RP)