1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Leverkusen: Schimmel-Problem in Alkenrather Kita

Leverkusen : Schimmel-Problem in Alkenrather Kita

Die Verwaltung arbeitet an einem Sanierungskonzept. Bürgerlisten-Chef Schoofs erhebt ungeheuerliche Vorwürfe.

Den Anfang machen gestern Erhard Schoofs (Bürgerliste) und die Initiative "Bürger für Alkenrath". Und sie tun das mit zum Teil gravierenden Vorwürfen. Es geht um das Schimmel-Problem in der Kindertagesstätte Nikolaus-Groß-Straße. In zahlreichen Räumen, womöglich dem gesamten Gebäude, habe sich der gesundheitsgefährdende Befall ausgebreitet. Schon seit eineinhalb Jahren gärt der Fall. Zuletzt "haben sich Eltern an die Initiative gewandt und um Hilfe gebeten", berichtet Schoofs.

Zunächst waren zum Pressegespräch am Nachmittag auch Eltern der rund 100 Kinder der Kita angekündigt. Aber sie haben abgesagt. "Sie fühlten sich unter Druck gesetzt", berichtet Schoofs und führt ungeheuerliche Anschuldigungen an: Nach Gesprächen mit Eltern soll auf Geheiß der Stadtverwaltung Druck von der Leitung der Einrichtung auf die Eltern gemacht worden sein. So sei der Satz gefallen: "Denkt an eure Kinder, dass es denen gut geht." Eine Sprecherin der Stadt wies den Vorwurf als abstrus zurück: "Vonseiten der Stadt nimmt in dieser Sache niemand auf jemanden Einfluss", sagte Ariane Czerwon.

Im Kampf gegen den Schimmel hat sich der Elternrat der Kita zuletzt mit einem Brief an Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn gewandt. Berichtet wird darin von unhaltbaren Zuständen, einem "Schwarzschimmel-Desaster". Seit das Problem im Oktober 2011 bekannt sei, sollen Fenster der Einrichtung ausgetauscht und Maßnahmen durchgeführt worden sein, die wenn überhaupt nur punktuelle Besserung gebracht hätten. Schoofs berichtet, dass 40 Kinder unter Gesundheitsproblemen leiden, die mit dem Schimmel in Verbindung stehen könnten. Als Beispiel verteilt er Kopien von zwei ärztlichen Attesten von Kindern mit Atemwegserkrankungen. In dem Brief, der von Elternrat und 90 Eltern unterzeichnet wurde, wird Buchhorn vorgeworfen, er habe Körperverletzungen zu verantworten, wenn er nicht handele. Als der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Mike Busse Lepsius Zweifel anmerkt, dass womöglich nicht der Elternrat, sondern Schoofs diesen Brief aufgesetzt hat, wird er vom Bürgerlisten-Chef rausgeworfen aus dem Alkenrather Treff, in dem das Pressegespräch stattfindet.

Viele Äußerungen und Vorwürfe von Schoofs und der Initiative relativieren sich indes bei einem Ortstermin zwei Stunden später. Vertreter aus Politik sowie von Stadtverwaltung und Elternrat der Einrichtung treffen sich in der Kita. Schimmel ist bei dem Rundgang nur wenig zu sehen. Die einzige Ausnahme ist die ehemalige Turnhalle der Kita. Sie wurde nach einem Wasserschaden im Januar geschlossen, nun wuchert dort an Wänden und Decke der Schimmel. "Aber solange Kinder hier drin waren, gab es diesen großen Befall noch nicht", sagt Kita-Leiterin Beate Redlich.

Dass es in den übrigen Räumen inzwischen kaum noch Schimmelspuren gibt, liegt indes daran, dass in den vergangenen Wochen zum wiederholten Mal dagegen vorgegangen wurde. "Es wurde mit Schimmelpilzvernichter gearbeitet, der für die Gesundheit der Kinder unbedenklich ist", sagt Dezernent Rainer Häusler. Zudem hätten regelmäßige Messungen ergeben, dass keine akute Gefahr drohe, erläutert Amtsarzt Dr. Martin Oehler und merkt hinsichtlich gesundheitlicher Beeinträchtigungen an: "Es gibt hier ein Risiko, aber es ist sehr gering."

Im Zuge einer Fragrunde stellt sich heraus, dass es sich bei den ärztlich attestierten Atemwegserkrankungen der beiden Kinder um Vorerkrankungen handelt, diese also bereits vor Besuch der Kita aufgetreten sind. Obwohl sich diese Krankheiten durch einen weiteren Besuch der Kita verschlimmern könnten, sagen die Eltern, dass sie ihre Kinder nur ungern aus der Einrichtung nehmen würden: wegen des guten Erzieher-Teams an der Nikolaus-Groß-Straße.

Eine Vertreterin des Elternrates versichert zudem, dass das Erscheinen beim Pressetermin zuvor bestimmt nicht wegen Druck oder Drohungen abgesagt worden sei. Unter anderem habe dagegen gesprochen, dass "einige von uns zu der Zeit arbeiten mussten". Am Ende des Ortstermins zeigen sich Eltern einverstanden mit dem Plan der Verwaltung, bis Sommer eine Entscheidung zu treffen, wie das Schimmelproblem in der Kita gelöst werden soll.

(zill)