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Saxofon-Quartett trifft Star-Akkordeonisten in Leverkusen

Saxofon-Quartett trifft Star-Akkordeonisten in Leverkusen : Die Lust am facettenreichen Klang

Saxofon-Quartett der Weltklasse trifft sich mit Star-Akkordeonisten zur „Hommage à Astor Piazzolla“. Ein brillanter musikalischer Abend im Forum.

Wenn sich vier hervorragende Saxofonisten mit einem Akkordeonisten verbünden, um dem Schöpfer des Tango Nuevo zu huldigen, darf man wohl ein Programm voller Wehmut, Leidenschaft und südamerikanischer Rhythmik erwarten. Das „Signum Saxophone Quartett“ und der lettische Akkordeon-Star Martynas Levickis starteten ihre gemeinsame „Homage à Astor“ dennoch bei Urvater Johann Sebastian Bach, der neben nachfolgenden Komponisten der E-Musik, auch Jazz und Salsa beeinflusste.

Wie sehr eins mit dem anderen verwoben ist, legten die fünf Ausnahme-Musiker nahe, als sie Bachs zweite Orchestersuite in h-moll (BWV 1067) auf ihrem vergleichsweise jungen Instrumentarium neu belebten. Der zündende Funke sprang gleich über bei der akzentuierten Ouvertüre und erst recht beim rasanten Start in das folgende Rondeau. Das Publikum von Kulturstadtlev im großen Forum-Saal konnte spontanen Applaus zwischen den Tanzsätzen nicht unterdrücken.

 Akkordeonist Martynas Levickis verzauberte.
Akkordeonist Martynas Levickis verzauberte. Foto: Aiga Ozolina

Von derselben Intensität, einer unbändigen Freude an der im Konzertsaal stets neu zu erschaffenden Musik getrieben, sorgte das Quintett für aufregende Unterschiede zwischen den Sätzen. Weich, geschmeidig und geradezu zärtlich interpretierte man die beiden Bourrees. Dann zündete Sopransaxofonist Blaz Kemperle mit einem kurzen Atemstoß das nächste musikalische Feuerwerk. Dass die berühmte Badinerie am Schluss dabei geradezu zur Zirkusnummer geriet oder zur Bewerbung für das Guiness-Buch der Rekorde, tat dem Gesamtwerk keinen Abbruch.

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Es ist schon erstaunlich, dass diese Musiker mit ihrem präsenten, klaren Ansatz ohne Vibrato die Auffassung einer historischen Aufführungspraxis vermitteln, ohne dazu alte Streich-Instrumente samt Barockbögen zu gebrauchen. Entscheidend ist der musikalisch wache Geist, eine unermüdliche Vitalität, die Lust am facettenreichen Klang, die  – neben absoluter technischer Präzision  – die diese fünf Musiker zu einem unschlagbaren Ensemble zusammenwachsen lässt. Das gilt erst recht für ein modernes Concerto wie das „Opale“ von Richard Galliano, das noch weitere Soundvarianten eröffnet wie etwa die begleitenden Windstöße, die der unglaublich wendige und vielseitige Baritonist Guerino Bellarosa auf seinem tiefen Saxofon entfachte, oder die Percussionseffekte, die Hyrapet Arakelyan und Alan Luzar in den Mittelstimmen auf Alt- und Tenorinstrumenten ergänzen.

Wie die Bach-Suite hat Signum auch dieses, eigentlich für Streicher und Akkordeon gedachte Stück, für die eigene Besetzung umgearbeitet. Alles „made in Leverkusen“ sozusagen, denn die vier Saxofonisten, die seit 2006 ein Ensemble bilden, haben seit einigen Jahren ihren Probenraum in der hiesigen Musikschule.

Bevor man sich im zweiten Teil vollkommen der Welt von Astor Piazziolla hingab, hatte Martynas Levickis noch einen Soloauftritt mit der Jazz-Rock-Partita Nr. 2 des 1966 geborenen Alexander Shmykov. Eine absolute Zitterpartie für den Akkordeonisten, der dazu mit seinem Körper einen permanenten Tremulanten einschalten musste.

In reduzierter Trio-Besetzung begeisterte das Bariton-Saxofon mit einem wundervoll sanglichen Part in einer Signum-Bearbeitung von Piazzollas „Solitude“.