Leverkusen: Romeo passé - Julia liebt Romina

Leverkusen : Romeo passé - Julia liebt Romina

Aus der Not heraus haben die Neuntklässler der Marienschule die berühmteste Liebesgeschichte der Welt umgeschrieben. Statt Shakespeares Romeo und Julia werden sich morgen Abend auf der Aulabühne Romina und Julia ineinander verlieben.

Es ist eine kleine Sensation, was sich morgen in der Aula des erzbischöflichen Gymnasiums in Opladen abspielen wird. Weil dem Differenzierungskursus "Szenisches Spiel" der neunten Klassen überraschend der Romeo abhanden kam - Mitte des Schuljahres wechselte er die Schule - und keiner der wenigen männlichen Darsteller die Hauptrolle übernehmen wollte, sprang Josefine Kraus ein.

Eigentlich nichts Ungewöhnliches, eine geschlechtsfremde Rolle zu verkörpern. Schließlich war es schon zu Shakespeares Zeiten so. Damals durften nur Männer auf die Bühne, weshalb diese sich dann in Schale warfen und mit Kleidern und Perücken auch die weiblichen Rollen spielten. Doch diesen Spieß wollten die Schüler der Marienschule nicht einfach umdrehen, sondern gleich revolutionieren. So schrieben sie den Klassiker aller Liebesgeschichten kurzerhand einfach um, in "Romina und Julia - Bunt, wie die Liebe selbst."

Für Carmen Bosch (14), die Shakespeares Julia spielt, war es kein Problem der Liebesgeschichte zwischen den beiden Erben der verfeindeten Häuser Capulet und Montagues, mit Mitschülerin Josefine Kraus Leben einzuhauchen. "Eigentlich wollten wir sogar noch andere homosexuelle Anspielungen in dem Stück einbauen, aber wir wollten auch nicht übertreiben und den Klassiker ins Lächerliche ziehen", sagt Bosch. Für die 15-jährige Josefine Kraus, die ursprünglich die Nebenrolle des Paris verkörpern sollte, den wohlhabenden Grafen, der die Capulet-Tochter zur Frau nehmen will, war es nur eine Umstellung. "Ich musste einen neuen Text lernen, aber ich habe mich schnell in die neue Rolle eingefunden."

Um das modernisierte Stück auch tatsächlich aufführen zu können, musste Kursus-Leiterin Susann Falter ordentliche Überzeugungsarbeit bei der Schulleitung leisten. Letztendlich stimmte sie zu und so können morgen Abend Schüler, Lehrer und Eltern einen alten Klassiker in einem neuen Gewand erleben.

Ein Jahr lang haben die Schüler an dem Stück gearbeitet und gefeilt. In kleinen Workshops haben sich die Schüler wichtige Schauspieltechniken, wie Sprechen und Körperhaltung auf der Bühne, angeeignet. Herausgekommen ist eine knapp zweistündige Aufführung, mit allen klassischen Elementen Shakespeares, identischen Szenen und der formschönen Sprache. Neu sind dagegen Rollen wie die der Liebe, die Ann-Sophie Verstege verkörpert und des Todes, gespielt von Helen Traving. Beide liefern sich das ganze Stück über ein spannendes Duell. Wer wird am Ende siegen? Bekanntlich ist es der Tod, der die beiden verzweifelten Liebenden - damals aufgrund ihrer verfeindeten Familien, diesmal aber auch wegen ihrer sexuellen Orientierung - in seinen Bann reißt. Gespickt ist die Inszenierung überdies auch mit feiner Licht und Tontechnik und schönen Schattenspielen, die sich wunderbar in das Stück einfügen.

(RP)
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