Leverkusen: "Rhythmus Boys" in Samtpantöffelchen

Leverkusen: "Rhythmus Boys" in Samtpantöffelchen

Schauspieler Ulrich Tukur und seine drei Musikerkollegen begeisterten im ausverkauften Saal des Bayer Erholungshauses mit Werken rund um den Mond hauptsächlich aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und mit dem eigenen Spaß an Musik und kleinen Schauspieleinlagen. Herrlich.

Das Gezwitscher der Spaßvögel sendeten die Lautsprecher schon in den Saal, als das Publikum noch die Plätze suchte. Dann wurde es dunkel, und die vier Protagonisten des Abends, die sich keineswegs aufs Musikmachen beschränkten, suchten mit der Stalllaterne nach ihren Instrumenten. Eine wortlose Ansage des ersten Liedes "Wenn ich tot bin, möchte ich immerhin so eine Laterne sein". Der passende Beginn für ein musikalisch-poetisches Programm rund um den Mond, das Ulrich Tukur und seine Rhythmus Boys mit einem anderen Liedtitel überschrieben haben: "Grüß mir den Mond".

Schließlich muss der Himmelskörper für die unterschiedlichsten Gefühle herhalten, für verliebte Stunden ebenso wie für ausgelassenes Nachtleben, Melancholie und Suizidgefahr. Eine unerschöpfliche Quelle für Poeten, Liedermacher und Songschreiber, wobei sich diese Gruppe im zwei Mal ausverkauften Bayer Erholungshaus auf Texte und Musik beschränkten, die im 20. Jahrhundert, und zwar vornehmlich in der ersten Hälfte, entstanden sind und teils zu Hits wurden.

Vor mehr als zehn Jahren hat Ulrich Tukur, der als Schauspieler schon mehrfach bei Bayer Kultur zu Gast war, dieses Ensemble gegründet, das sich - je nach Programmpunkt - als Tanzkapelle, Chanson- und Liedbegleiter oder ausgeflippte Band präsentiert und sich so international durch die Jahrzehnte spielt und singt. Den Gesangspart übernahm zumeist Ulrich Tukur am Klavier nach seiner wortgewandten, zum großen Teil geflunkerten aber dafür komischen Moderation. Die Kollegen an Gitarre, Bass und Schlagzeug gaben den Backgroundchor oder würzten die eigenen abwechslungsreichen Arrangements mit mehr oder weniger passenden Geräuschen.

Der Spaß an der Musik war ganz offensichtlich der Motor, und entsprechend sprang der Funke auch sofort auf das Publikum über. Zumal alle vier "Rhythmus Boys" nicht ganz so brav sind wie der an die 1930er Jahre erinnernde Name suggeriert. Sie haben den gleichen Humor und nutzten den Auftritt für manche szenische Einlage von der Persiflage bis zum ausgelassenen Klamauk.

Mit einem kleinen, Schwäbisch gefärbten "Referat" des Kulturwissenschaftlers und Gitarristen Ulrich Mayer etwa. Sowohl der lange Bassist Günter Märtens als auch der kleine Drummer Kalle Mews, der sowohl mit Komikern wie Helge Schneider und Herbert Knebel als auch in Oper- und Filmproduktionen als Schlagzeuger arbeitete, sind Schauspieler.

Und die nutzten ihren Größenunterschied von um die einen Meter für manchen Spaß. Nach einer bunten Mischung, die von Cole Porters "Night and Day" über deutsche Melancholie bis zu italienischen Canzone "Guarda che luna", Glen Millers "In the Moon" und dem schaurig inszenierten Schlager der Dreißiger "Das Nachtgespenst" waren die Herren zum zweiten Teil des Mondprogramms bereits in mittelblaue Pyjamas und rote Samtpantoffeln geschlüpft, um dann die Bühne nach Art der Rolling Stones zu rocken: "Let's spend the night together".

Natürlich schamlos übertrieben.

(mkl)