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„Rettet das Topos“ in Leverkusen – kauft Stadt das Haus?

Kultkneipe vor dem Aus : „Topos“ in Not – kauft die Stadt das Haus?

Nach einer Mieterhöhung steht Wirtin Ingrid Orth das Wasser bis zum Hals. Oberbürgermeister Uwe Richrath macht die Rettung der Kultkneipe zur Chefsache. Die städtische Wohnungsgesellschaft könnte als Mieter oder Käufer einspringen.

Als wäre das Leben für Ingrid Orth nicht schwer genug. Jetzt muss die Witwe des im Vorjahr gestorbenen Topos-Besitzers Wolfgang Orth auch noch um ihre Existenzgrundlage bangen. Zwischenzeitlich stellte sich heraus, dass sie bereits am 31. Dezember 2019 die Kündigung für das Gebäude Hauptstraße 134 in Wiesdorf erhalten hat, in dem das Szenelokal Topos seit fünf Jahrzehnten eine feste Anlaufstelle für Jazz und Bluesgrößen aus aller Welt ist. Unter anderem spielte dort auch schon Miles Davis, der bis heute ein Stück Jazzgeschichte verkörpert, ehe er 71-Jährig starb.

Birgit Kremer, Vereinsvorsitzende von Jazz Lev, ist nicht minder erschüttert und macht keinen Hehl aus ihren Gefühlen: „Es ist undenkbar, dass es das Topos nicht mehr geben soll. Mit diesem Gedanken kann ich mich nicht anfreunden.“

Eigentlich plante Ingrid Orth, das Jazzlokal in dem stuckverzierten Gebäude aus dem 18. Jahrhundert weiterzuführen und somit dem Verein, Musikern sowie Gästen auch künftig eine Anlaufstelle zu bieten. Ob das möglich sein wird, bleibt vorerst offen. Denn die Verhandlungen hat Oberbürgermeister Uwe Richrath jetzt zur Chefsache erklärt. Er sagt: „Das Topos muss auf jeden Fall erhalten bleiben.“ Ein erster Verhandlungserfolg konnte bereits erzielt werden, nachdem der Eigentümer zusagte, die Kündigung erst zu vollziehen, wenn eine Lösung gefunden ist.

Zum Hintergrund: Das Topos und dessen Nachbarhaus wurde vor einigen Jahren an einen neuen Eigentümer verkauft. Obwohl er um die Bedeutung des Topos für Leverkusen wusste, war der Mann mit den letzten Miet-Konditionen nicht mehr einverstanden, sondern stellte deutlich höhere Forderungen. Alternativ dazu plante er offenbar den Abriss des Hauses und den Neubau eines Sechs-Familienhauses auf dem Grundstück.

Nun sieht Richrath zwei Lösungsmöglichkeiten, die – sofern sie zum Tragen kommen – vom WGL-Aufsichtsrat genehmigt werden müssen. „Entweder die Wohnungsgesellschaft Leverkusen (WGL) wird Mieter oder stellt ein anderes Gebäude zur Verfügung“, erläutert der OB. Die Frage sei auch, was dem städtischen Tochterunternehmen WGL und der Gesellschaft eine neue Vereinbarung wert sei. Auch ein Kauf sei denkbar. Richrath betont deshalb: „Mir geht es darum, dass die WGL zum Eigentümer des Hauses wird. Das Geschäft muss natürlich auch wirtschaftlich darstellbar sein.“

Könnte sich der Erhalt der Kultkneipe an den Sympathien der Leverkusener Bevölkerung messen lassen, wäre alles kein Problem. Gemeinsam haben die Topos-Fans Frank Schönberger und Christiane Kuhn-Haarhoff die Seite „Rettet das Topos“ bei Facebook installiert und innerhalb von drei Tagen schon 18.000 Reaktionen erhalten, damit, so Schönberger, „ein großes Stück Kultur und Identifikation in unserer Stadt erhalten bleibt.“ Von allen Seiten wurden Sach- und Geldspenden sowie andere Hilfen angeboten.

Aus Berlin hat sich zum Beispiel der ehemalige Leverkusener Journalist Thomas Nehls zu Wort gemeldet und gesagt: „Das Topos in seinem 51. Jahr gefährdet sehen zu müssen, erschüttert mich auch in der weit entfernten Hauptstadt. Dieser Ort ist nun mal deutlich mehr als nur ein tolles Lokal in einem älteren Haus mit einiger Verzierung: Es war und ist eine Kultstätte für eine ganze Stadt, die ohne das Lebenswerk der Familie Orth kulturell ärmer hätte leben müssen.“