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Rechtsstreit: Onkologie-Praxis in Opladen ist zu

Zahlreiche Patienten betroffen : Rechtsstreit: Onkologie-Praxis ist zu

Christina Reddemann darf derzeit kassenärztlich versicherte Krebs-Patienten nicht versorgen. Vielzahl Betroffener.

Ein Drama spielt sich derzeit in der Opladener Praxis von Christina Reddemann ab. „Bei mir stehen verzweifelte Patienten und weinen“, sagt die Onkologin. Sie darf derzeit keine Kassenpatienten behandeln, nur Privatpatienten. Zahlreiche Krebserkrankte sind betroffen, Reddemann spricht von quartalsübergreifend 1400. Im Hintergrund läuft ein Rechtsstreit mit dem Klinikum.

Um ihn nachzuvollziehen, braucht es einen Blick in die Geschichte des Klinikums: Vor mehr als einem Jahrzehnt gab es in der Stadt ein ambulantes Angebot zur onkologischen Versorgung. „Zudem hatte der Klinikum-Arzt Niederle die Ermächtigung zu einem ambulanten Sitz“, sagt Klinikum-Geschäftsführer Hans-Peter Zimmermann. Den Sitz des niedergelassenen Leverkusener Arztes habe Winfried Leßmanns Firma (heute Med 360°) erworben, dazu einen Sonderbedarf bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) beantragt. „In der Prüfung hat die KV Wert darauf gelegt, dass Niederle aber seine Ermächtigung aufgibt.“ So kam es. Im Angestelltenverhältnis mit Leßmanns Firma arbeiteten zwei Onkologen im MediLev, sagt Zimmermann. Reddemann war seit 2008 eine davon. Das Klinikum setzt im Bereich Onkologie auf drei Säulen: Klinik-Betrieb, Radiologie und ambulante Versorgung in direkter Nähe.

2017 trennte sich Leßmann von der onkologischen und einer pneumologischen Praxis. Das Klinikum kaufte auf, gründete die Tochterfirma MVZ Klinikum Leverkusen. Im April 2018 kündigte Christina Reddemann. Kurz darauf entbrannte der Rechtsstreit. Reddemann wollte den Sondersitz weiterhin besetzen – in einer Praxis in Opladen, bewarb sich darum bei der KV. Ihr sei der Sitz zugesprochen worden, es gab keine Konkurrenz. „Das Klinikum hat verpasst, einen Antrag zu stellen“, sagt sie. Die MVZ-Geschäftsführer Andreas Weiß und Detlef Odendahl sehen das anders: Es sei normal, dass man einen gewissen Zeitraum habe, um die Nachfolge zu finden und den Platz in der Zwischenzeit interimsmäßig besetze. Das MVZ legte Widerspruch ein, „auch wir haben eine Zulassung erwirkt, eine Oberärztin aus dem Klinikum soll den Sondersitz besetzen“. Das Landessozialgericht sprach Reddemann einen halben Sondersitz zu. Das MVZ legte Widerspruch ein.

Ende März entschied das Gericht, der sofortige Vollzug wird ausgesetzt. Heißt: Reddemann darf keine kassenärztlichen Patienten behandeln, bis in einem Hauptverfahren entschieden wurde, wer Anrecht auf den Sitz hat. Beide Parteien sehen sich im Recht. „Wir haben Vergleiche vorgeschlagen, aber das Klinikum wollte nichts davon wissen“, sagt die Ärztin. Klinikum und MVZ müssen seit Tagen Schelte einstecken. „Ich bin sehr betroffen über einige Äußerungen, die uns unter anderem Geldgier vorwerfen“, sagt Zimmermann. „Ich denke, es ist sinnvoll, ein onkologisches Zentrum vorzuhalten.“

Christina Reddemann berichtet: „Ich habe einen Tag vor Ostern erfahren, dass die Praxis für Kassenpatienten schließen muss.“ Seitdem versuche sie Patienten zu vermitteln. Auch ans Klinikum. „Viele wollen dort nicht hin, suchen sich eine Praxis außerhalb.“ Oberbürgermeister Uwe Richrath, Aufsichtsratschef des Klinikums, müsse eingreifen, fordert sie. „Onkologie ist emotional, es ist nicht egal, wer einem gegenüber sitzt.“

Das sagt auch eine Patientin. Die Leverkusenerin hat eine Beschwerde an die KV geschrieben und hofft, dass viele dem Beispiel folgen. „Eine Reaktion gab es noch nicht.“ Im Juni habe sie den nächsten Termin bei Reddemann. „Vielleicht hat sich bis dahin alles geklärt.“ Doch das ist unsicher. Ein Termin fürs Hauptverfahren steht noch nicht.