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Leverkusen: Rauchverbot: Dehoga befürchtet Kneipensterben

Leverkusen : Rauchverbot: Dehoga befürchtet Kneipensterben

Das von der Landesregierung beschlossene verschärfte Rauchverbot wird auch in Leverkusen zum Kneipensterben führen. Das befürchtet zumindest der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga und auch Wirtin Marlene Dettinger. "Wir reden in Leverkusen von etwa 120 Raucherkneipen oder Schankbetrieben und müssen davon ausgehen, dass es 30 Prozent davon in einem Jahr nicht mehr geben wird", sagt Mathias Johnen, stellvertretender Geschäftsführer des Dehoga Nordrhein.

Marlene Dettinger von der Opladener Stadtschänke rechnet damit, dass ihr kleines Rauchlokal die ab 1. Mai geltende Gesetzeslage nicht überstehen wird. "Angst habe ich nicht. Aber es wird so kommen", sagt sie und prophezeit. "Die Leute werde wieder zu Flaschentrinkern zuhause auf der Couch. Die Partykeller werden ein Revival erleben."

Derzeit profitiert Dettinger von einem der Schlupflöcher: in Lokalen mit weniger als 75 Quadratmetern Fläche, in denen keine Speisen angeboten werden und wo keine Jugendlichen verkehren, darf geraucht werden. Das neue Gesetz sieht sie als "Entmündigung. Man soll den Leuten doch überlassen, ob sie reingehen oder nicht".

Dass die Ausnahmen abgeschafft werden, findet hingegen Heimo Förster von der Dehoga-Kreisgruppe Leverkusen nur fair. "Da wird Chancengleichheit geschaffen. Grade in der Neustadt mit der hohen Kneipendichte, schummeln sich einige Wirte durch." Das sei ein offenes Geheimnis, dass die Fläche teilweise kleingerechnet wird. Er versucht es pragmatisch zu sehen. "Der Wirt ist dafür verantwortlich, ob der Gast zu ihm kommt." Zwar rechnet auch Förster damit, dass die ein oder andere Kneipe schließen muss, "aber so traurig das ist, der Markt reguliert sich". Nur die kleinen Kneipen seien im Nachteil und wer in einen Umbau für eine Raucherlounge investiert habe, könne das vielleicht auch nicht kompensieren.

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Die Schätzung, dass ein Drittel der Raucherkneipen schließen muss, fußt laut Johnen auf Erfahrung. "Wir haben hier ein besonderes Betriebskonzept, dass eben nicht mit den bayrischen Biergärten zu vergleichen ist. Uns wird ja häufig vorgehalten, dass es dort so gut umgesetzt wurde." Stattdessen gäbe man beispielsweise in Kölsch-Kneipen einen "Dreiklang von Kultur, Kneipe und eben dem Zulassen von Rauchen".

Johnen sieht die ernsten Probleme zum Winter nächsten Jahres aufziehen, "dann wird es wieder kalt und man geht nicht mal eben für eine Zigarette vor die Tür". Das bringe zudem häufig Probleme mit der Nachbarschaft. Als Kompromiss solle man "draußen deklarieren, was drinnen ist — ob geraucht wird oder nicht. Dann kann man per Fuß entscheiden, ob man reingeht oder nicht".

(irz)