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Rainer Martins letzte Session als Oberfunke in Opladen

Rainer Martins sagt Tschüss : „Jriffels“ letzte Session als Oberfunke

Nach 17 Jahren als Präsident der Opladener Altstadtfunken gibt Rainer Martins (62) im Mai den Stab an einen Nachfolger weiter.

Rainer Martins, Noch-Präsident der KG Altstadtfunken Opladen vun 1902, dürfte im Rheinland ein Phänomen unter den närrischen Spitzenkräften sein: Der Opladener mit dem Funkenspitznamen „Jriffel“ hat noch nie live einen Rosenmontagszug in Köln erlebt. „Ich auch nicht“, betont Ehefrau Anette an dieser Stelle. Dieses Vakuum muss gefüllt werden, dachte sich Martins (62) und sagte seiner Liebsten: „2021 sind wir in Köln dabei.“ Anlass für dieses Versprechen: Der 62-Jährige beendet im Mai auf eigenen Wunsch seine Präsidentschaft bei den Altstadtfunken.

Die Präsidentenzeit

Seit 17 Jahren schon zieht Martins als jecker Oberturner mit seinen Freunden durch die Lande, führt fröhlich durch die Funken-Veranstaltungen, etliche im Stolz der Gesellschaft, dem Funkenturm in der Bahnstadt Opladen. Besonderes Vergnügen bereiten Martins die Mädchensitzungen. In diesem Jahr mit 1278 Damen: „Wir erreichen die Maximalauslastung des Forum-Terrassensaals“, sagt Martins im Redaktionsgespräch und strahlt.

Die Mädchensitzung

Was macht speziell den Charme dieser Karnevalssitzung mit den Wievern aus? „Mädchensitzungen sind deutlich entspannter als Herrensitzungen“, analysiert Martins. Die Frauen gehen von Anfang an mit, haben richtig Spaß, wollen einfach feiern. „Sie trinken nicht so extrem wie es Männer manchmal machen“, sagt er. Zum Abschied für ihren Präsidenten haben die Altstadtfunken Opladen einen Extra-Punkt ins Programm genommen: Die Kölschen Roten Funken Rut-Wiess vun 1823 werden mit 150 Mann in den Saal und auf die Bühne ziehen. Die Freude auf dieses Spektakel ist Martins deutlich anzusehen. Der Opladener fühlt sich ohnehin ein bisschen als Kölner: Er ist glühender FC Köln-Anhänger.

Der närrische Lernprozess

Kann man „Präsident“ lernen? „Das geht kaum“, meint „Generalobrist“ Martins. Bei seinen ersten Sitzungsleitungen, damals noch in der Stadthalle Opladen, wirkte er nicht so souverän und schlagfertig wie heute. Im Archiv der Altstadtfunken gibt es dazu als Beweis sechs Tonkassetten von zwei Sitzungen, berichtet er.

Die Sitzungspannen

Während Martins bei der Mädchensitzung hoch oben im Elferrat auf der Bühne den humorvollen (und gut vorbereiteten) Präsidenten gibt, garantiert im Hintergrund ein gut trainiertes Funkenteam den möglichst reibungslosen Sitzungsablauf. Vor ein paar Jahren half alle Routine und Erfahrung nichts: Auf der A3 hatte es nach einem Unfall eine Vollsperrung gegeben. Folge: Durch die riesigen Staus kamen die gebuchten Redner und Bands aus Köln verspätet oder gar nicht mehr ins Forum. „Ich sah nur, wie neben mir Freund Udo Kreie (Funken-Kommandant „Print“) meine Programmzeitliste zerriss und meinte: Ab jetzt läuft nichts mehr wie geplant, aber ich bin ja bei Dir.“

Der Nachfolger

Unvorbereitet kam Martins aber nicht ins Amt. Er leitete zuvor sieben Jahre als Kommandant das Traditionskorps der Funken. Wohlwollend beobachtet vom Vorgänger: „Für mich war Martins als Präsidenten-Nachfolger gesetzt“, berichtet Ex-Präsident Rainer Schiefer, der ebenfalls gut 17 Jahre an der Spitze der ältesten Leverkusener Karnevalsgesellschaft gestanden hat: „Die Altstadtfunken hätten 2003 keinen Besseren wählen können.“ Im Mai wird Martins Nachfolger gewählt. Sorgen um qualifiziertes Spitzenpersonal haben die Funken nicht: „Es gibt mehrere Bewerbungen für meinen Posten, alles von aktiven Altstadtfunken“, sagt Martins - und schweigt zu den Namen.

Was es nicht gibt: Frauen können nicht Mitglied bei den Altstadtfunken werden. Die Traditionsgesellschaft ist ein reiner Männerverein. „Selbst das Mariechen ist Gast bei uns“, sagt Martins.

Am Rosenmontag wird Rainer Martins noch im Opladener Zug mitfahren. 2021 wollen er und Anette entspannt und befreit von aller Organisationsverantwortung in der Mohrenstraße in Köln auf der Tribüne sitzen und feiern. „Nach Zochende werden wir dann den Abend mit den Freunden im Funkenturm Opladen beschließen.“ Für den weiteren Heimweg reichen dem Ehepaar ein paar Schritte: Sie wohnen direkt gegenüber in der Bahnstadt.