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Quickies vom Düsseldorfer Kom(m)ödchen zu Gast in Leverkusen

Kom(m)ödchen zu Gast in Leverkusen : Quickies erzählen „irgendwas vom Menschen“

Das Düsseldorfer Kom(m)ödchen ist Kult. Seit der Gründung 1947 als damals erstes politisch-literarisches Nachkriegs-Kabarett sind viele Komiker, die dem „Kay und Lore Lorentz“-Ensemble angehörten, berühmt geworden.

Harald Schmidt, Jochen Busse, Hugo Egon Balder, Volker Pispers, Mariele Millowitsch und Christian Ehring sind nur einige Namen, die auch noch im 21. Jahrhundert mit Biss und schwarzem Humor der Satire mehr und mehr Glanz verlieh.

Doch dieser Glanz leidet aktuell ein wenig. Bitte nicht falsch verstehen: Das aktuelle Ensemble – Martin Maier-Bode, Maike Kühl, Daniel Graf und Heiko Seidel – ist witzig und charmant und mit Tanz und Gesang inklusive herrlich anzusehen. Die vier Künstler verarbeiten im Programm topaktuelle Themen wie das Desaster bei der Landtagswahl in Thüringen oder dem „Megxit“ im Britischen Königshaus. Stimmungsbilder der deutschen Nation werden auf die Spitze getrieben, und so wird im Publikum nicht nur herzhaft gelacht, sondern auch viel nachgedacht.

Das war auch die Message des Abends, die Martin Maier-Bode zu guter Letzt verkündete: Wie es mit der deutschen Gesellschaft weitergehe, das wüsste das Ensemble nicht. Es läge aber auch am Publikum, die Zukunft mit zu entscheiden. Die „Quickies“, wie sich ihr Beiboot zum aktuellen Stück „Irgendwas mit Menschen“ nennt, soll laut eigenen Aussagen „ein wilder Abend voll mit top-aktueller Satire und vielen kleinen, witzigen, schrägen, abgedrehten und scharfen Nummern“ sein – weil das Ensemble übersprudelt vor Spielfreude und Spaß an aktueller Satire habe.

Ein rund zehnminütiger Sketch über die Zusammenarbeit von öffentlich-rechtlichen Sendern und politischer Parteien, die in einer Jury vor einem Pornoproduzenten analysieren, wie denn für ihre Zuschauer die 60 Minuten des anzüglichen Inhalts adäquat zu füllen wären, ist zäh. Und dass zwei Düsseldorfer Urgesteine kein Kölsch trinken wollen und sich weigern „Mer losse d’r Dom en Kölle“ zu singen, ist nun wirklich bekannt und muss vielleicht in der heutigen Zeit auch nicht mehr auf den großen Bühnen thematisiert werden.

Satire ist seit Jan Böhmermann und Co. mehr als für das Bildungsbürgertum, aus dem das Publikum des Kom(m)ödchens vorwiegend bestand und vielleicht immer noch besteht. Adaptiv-Pragmatische, Performer, Expeditive oder auch Hedonisten haben die Satire längst  für sich entdeckt. Und so bleiben die „Quickies“ des
Kom(m)ödchens für ein bestimmtes Klientel unterhaltsam – nicht mehr, aber auch nicht weniger.