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Prügelszenen vor Kinderaugen in Leverkusen

Amtsgericht Leverkusen : Prügelszenen vor Kinderaugen?

Gerichtsfall: Junges Paar streitet sich vor der gemeinsamen kleinen Tochter. Hat der Angeklagte (27) seine Partnerin geschlagen und gewürgt?

Wenn auf dem Rücken von Kindern die gescheiterte Beziehung zweier Erwachsener ausgetragen wird, dann ist das immer besonders traurig. Vor dem Amtsgericht kam es jetzt zu einem solchen Fall. Das Gericht beschäftigte der Tag, an dem die Romanze eines 27-Jährigen und einer 21-Jährigen zerbrach. Dabei soll der Mann seine damalige Partnerin angegriffen haben.

So sagt es die Anklage der Staatsanwaltschaft. Dabei soll der Angeklagte seine Ex-Freundin am 25. Oktober 2019 in der Wohnung geschlagen und gewürgt haben. Zudem schlug er ihren Kopf gegen ein Fenster. Wenig später verließ er die Wohnung. Der 27-Jährige stritt vor  Gericht die Anschuldigungen ab.

Er berichtete, die Beziehung der beiden war zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie zerbrochen. Streit gab es nahezu täglich. „Unsere Tochter war fast immer mit dabei“, erzählte er. An jenem Oktobertag endete die Beziehung dann endgültig.

Geschlagen habe er die Frau aber nicht. Vielmehr habe sie ihn angegriffen. Bei einem Gerangel schlug der Ellbogen des Mannes zwar aufs Auge der Frau, die 21-Jährige, so betonte der Mann, verletzte sich aber vor allem selbst. „Sie hat sich mit der Faust aufs Auge gehauen - immer wieder“, sagte der Beschuldigte.

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„Die macht das alles, um mir zu schaden. Sie weiß, dass ich Bewährung habe“, mutmaßte der Mann. Wegen Drogenhandels ist er vorbestraft. Seine Tochter, so sagte er, habe er seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen.

Die mutmaßlich Geschädigte sagte als Zeugin aus. Sie bestätigte weitestgehend die Anklage. Ihre Aussage wies aber auch bemerkenswerte Parallelen zu der ihres Ex-Freunds auf. Und auf Nachfragen des Gerichts schlichen sich immer wieder Unsicherheiten und veränderte Darstellungen in ihre Aussage ein. Ihre Erklärung dazu: „Ich versuche das zu verdrängen, weil es sehr traumatisch für mich ist.“

Sie berichtete, der Angeklagte habe mit dem Kopf gegen eine Anrichte gestoßen und gegen einen im Fenster steckenden Schlüssel. Ärztlich festgestellt, betonte sie selbst, wurde dahingehend allerdings nichts.

Das Gericht beriet sich nach den Aussagen der beiden Eltern hinter geschlossenen Türen. Weil beide Aussagen Lücken aufwiesen, blieben Restzweifel an der Schuld des Mannes. Das Verfahren wurde gegen ein Schmerzensgeld von 300 Euro eingestellt. „Sie sind zwar kein Paar mehr, aber sie bleiben immer Eltern der Kleinen“, betonte der Richter. Er forderte die Erwachsenen auf, sich dementsprechend zu verhalten.