Prozessfortsetzung in Köln: Die Autogeschäfte des "Don Mikel"

Landgericht Köln : Die Autogeschäfte des „Don Mikel“

Im Prozess vor dem Kölner Landgericht verweigerte ein Zeuge die Aussage.

Wer in Geschäfte mit der stadtbekannten Leverkusener Großfamilie verwickelt war, hatte oft das Nachsehen. So machte ein Immobilienmakler, der das Wohnhaus in Bürrig vermittelt hatte und jetzt zu seiner Zeugenaussage gleich einen Rechtsanwalt mitbrachte, von seinem Recht auf die Verweigerung von Angaben Gebrauch. Wie seine Beteiligung an dem Immobiliengeschäft war, konnten die Zuschauer im Saal somit nicht erfahren. So verhalten darf sich ein Zeuge vor Gericht, wenn er sich mit Angaben selbst einer Straftat oder Ordnungswidrigkeit beschuldigen würde.

Das Gericht konnte seine Beteiligung daher nur aus den Ermittlungsakten herleiten, wobei es offenbar um Geldwäschegeschäfte ging. Etwas glimpflicher kam ein Unternehmer davon, der von dem Hauptangeklagten Michael G. (Spitzname „Don Mikel“) auf sein Fahrzeug angesprochen wurde, ein seltenes Mercedes-Modell und das Objekt der Begierde vieler Sammler. Auf der Autobahn ergab sich der erste Kontakt, auf einem Parkplatz wurden Telefonnummern ausgetauscht. Es kam tatsächlich zu einem Verkauf (Preis 125.000 Euro), wobei der Unternehmer auf eine Überweisung bestand. „Don Mikel“ hat nicht selbst den Betrag überwiesen, sondern das über das Konto des mitangeklagten Strohmanns vornehmen lassen.

Weil der Unternehmer offenbar gute Beziehungen zu dem Autohersteller hat, bestellte der Angeklagte dann gleich noch einen weiteren, noch teureren schwarzen Luxuswagen. Als das Fahrzeug nach einigen Wochen ausgeliefert wurde, konnte der Angeklagte es nicht bezahlen. Folglich fährt der Unternehmer nun selbst den Luxus-Schlitten, den er nicht mag und der zudem für ihn auch viel zu teuer ist.

Ein anderer Fall: Als eine Wohnung in der Hauptstraße im März 20016 zwangsversteigert wurde, war der damals gerade 18 Jahre alt gewordene Sohn von „Don Mikel“ unter den Bietern. Gegen zwei weitere Interessenten musste sich der Filius durchsetzen, was er mithilfe „eines älteren Erwachsenen“ (Erinnerung der Rechtspflegerin) an seiner Seite schaffte. An den Käufer konnte sich die Rechtspflegerin des Amtsgerichts, die die Versteigerung vornahm, insoweit erinnern, als dass er ganz jung und sehr klein war. Eine zutreffende Beschreibung auf den Jüngsten der vier Angeklagten im Kölner Gerichtssaal. Die Zeugin erinnerte sich auch daran, dass im Vorfeld immer wieder nachgefragt wurde, ob man die zu hinterlegende Sicherheitsleistung auch in bar einzahlen könne. Das ist inzwischen aufgrund des Geldwäschegesetzes nicht mehr möglich.

(RP)
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