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Prozess zu Raubüberfällen in Küppersteg: Wem gehörte die Pistole?

Banden aus Leverkusen angeklagt : Raubüberfälle in Küppersteg: Wem gehört Pistole?

Im Detail: Der 27-jährige Angeklagte, dem die Haupttäterschaft bei einer Serie von sieben schweren Raubüberfällen auf Geschäfte, eine Tankstelle und eine Bank in Rheindorf, Küppersteg und Hitdorf vorgeworfen wird, schilderte vor dem Kölner Landgericht nun an zwei Beispielen genauer, wie die Straftaten auf eine Subway-Filiale und die Volksbank-Nebenstelle in Küppersteg abliefen.

Geplant wurden die Delikte, die sich in den Monaten September bis Dezember vergangenen Jahres abspielten, praktisch nie im Detail. Zwar steckte ein Mitangeklagter, ebenfalls 27 Jahre alt, dem Erpresser kurz vor dem Gang in die Geschäfte einen (nicht geladenen) Trommel-Revolver zu, aber mitunter wurden da auch sehr pragmatisch die Vorhaben geändert. So sollte zunächst die Netto-Filiale in Küppersteg überfallen werden. In der hinteren und dunklen Ecke des Parkplatzes hatte der Räuber das Geschehen von seinem gestohlenen Motorroller aus beobachtet. Er nahm von dem Überfall Abstand, weil er die Kassiererin zu kennen glaubte.

Die Bande traf sich dann vor der benachbarten Apotheke, fuhr auf den Parkplatz des Reuschenberger Friedhofs, um dort den Entschluss zu fassen, die Subway-Filiale am Europaring auszurauben. Während der vorbestrafte 27-Jährige sich mit einer Sturmmaske und einem Motorradhelm unkenntlich machte, standen die anderen Schmiere und warteten mit insgesamt zwei Motorrollern als Fluchtfahrzeuge.
Auch der Überfall auf die Volksbank-Filiale in Küppersteg war ursprünglich so nicht geplant. Denn zunächst hatte die Bande die Sparkassen-Filiale in Rheindorf-Süd im Visier. Aber da schien ihnen ein Überfall wegen des Publikumsverkehrs als wenig günstig. Also ging’s nach Küppersteg.

Neben Einzelheiten zu weiteren Überfällen, etwa einen dm-Markt in Rheindorf, wollte das Gericht vor allem wissen, was es mit der Pistole auf sich hatte. Wem hat sie gehört, wo wurde sie versteckt? Oder wo kamen die Motorroller her, zumal einer der Fahrer nicht einmal einen Führerschein besaß? Ein Zeuge aus dem Umfeld der Bande – ein Angeklagter ist der Patenonkel seiner Tochter – trug nicht zur Klärung bei. Seine Aussagen waren zum Teil so widersprüchlich, dass der Staatsanwalt mit der Androhung einer Beugehaft dem Erinnerungsvermögen des Zeugen Nachdruck verschaffen wollte. Eine wichtige Zeugin, die dem Angeklagten zeitweise Wohnraum vermietet und mit einem anderen Angeklagten ein Verhältnis hatte, hat, ist nicht erschienen.

Der Hautangeklagte, erheblich vorbestraft, holt seine Vergangenheit während seiner U-Haft in der JVA Ossendorf offenbar ein. Seine Ängste schilderte er emotional vor Gericht. Dabei hat er seine Freiheitsstrafe wegen eines Sexualdelikts längst abgesessen. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

Am Donnerstag beginnt ein Prozess gegen vier Männer, denen der Handel mit Betäubungsmitteln im Raum Leverkusen zur Last gelegt wird. Dabei wurde schon deutlich, dass sich einige Angeklagte aus beiden Prozessen offenbar kennen.