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Prozess um schwere Körperverletzung in Köln dauert länger als geplant

Prozess um schwere Körperverletzung : Angeklagter zahlt auf Kölner Landgerichtsflur 50 Euro

Gleich am ersten Verhandlungstag hatte der 37-jährige Angeklagte vor der 13. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Nur: Das deckt sich nicht mit den Aussagen von Zeugen, sowohl des Opfers, das gleich zweimal in seiner Bürriger Wohnung überfallen wurde, wie einer Frau, die bei einem Überfall dabei war.

Daher sah es der Vorsitzende Richter als seine Pflicht an, den Angeklagten auf seine immer heikler werdende Situation hinzuweisen.

„Vielleicht verstehen Sie nicht, was für Sie auf dem Spiel steht“, klärte er den 37-Jährigen auf, der wegen zweier Raubüberfällen und Diebstahls angeklagt ist. „Wir sehen einen  besonders schweren Raub und dafür sieht das Gesetz  eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren vor.“ Daher wäre es für ihn günstiger, eine Version „näher an der Wahrheit“ zu präsentieren.

Das Opfer, ein inzwischen verurteilter Drogenhändler aus Bürrig, stellte den Hergang der beiden Überfälle völlig anders dar als der Angreifer. Beim ersten Vorfall im September 2016  sei er nicht nur geschlagen, sondern auch ausgeraubt worden. Ein Handy und ein Tablet-Computer seien gestohlen worden. Vor Gericht machte er die Angabe, dass der Dieb sogar mit seinem Facebook-Account gerichtsverwertbare Angaben gemacht habe. Die wurden während der Verhandlung abgerufen, ausgedruckt und zu den Akten gelegt. Aussage des Angeklagten: Dieser Überfall hat nie stattgefunden.

Beim zweiten Angriff im Januar 2017 waren zwei Frauen beteiligt. Eine schilderte am Dienstag vor Gericht, wie man durch eine Hintertür ins Haus gelangt sei. Die Aussage des Angeklagten: Die Haustür stand offen, die beiden Frauen seien zur Wohnung des Drogenhändlers gegangen. Erst als er Hilferufe hörte, sei er nach oben gestürmt, um einer Frau beizustehen.

Beim zweiten Überfall folgte erneut eine Schlägerei, der Angreifer schlug mit einem im Flur stehenden Koffer zu. Das Opfer rief nach Hilfe, ein Nachbar informierte die Polizei. Das Opfer wurde wegen einer dicken Beule am Kopf im Krankenhaus behandelt und dort vorläufig festgenommen. Der Mann räumte in dieser Situation ein,  mit Drogen zu handeln. Während der Angeklagte angab, mit beiden Damen anschließend in seiner Wohnung  „Spaß gehabt zu haben“, sagte eine Frau aus, nach dem Zwischenfall nach Hause gegangen zu sein.

Zudem: Die Anklage umfasst auch den Diebstahl eines Portemonnaies, das er einer Frau in einer Kneipe entwendet hatte. Noch auf dem Flur des Landgerichts zahlte der Angeklagte ihr 50 Euro, entsprechend dem gestohlenen Geld.

Da er trotz dieser ihn schwer belastenden Aussagen auf seinen Angaben beharrt, wird das Gericht weitere Zeugen laden.