Prozess um Raubüberfall am Rheindorfer S-Bahnhof

Raubüberfall am Rheindorfer S-Bahnhof : Angeklagte hoffen auf milde Strafen

Zwei Männer stehen wegen Körperverletzung und Raub vor dem Landgericht.

 Den beiden inzwischen 27 und 26 Jahre alten Angeklagten wird besonders schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Doch ganz so schlimm, wie das Opfer vor Gericht die im November 2013 erlittenen Verletzungen schilderte, waren sie dann wohl doch nicht. Die beiden Zeugen, der behandelnde Arzt und der Gerichtsmediziner, die am Montag vor dem Landgericht Köln aussagten, bescheinigten eine geschwollene Lippe, einen Schnitt in den Oberschenkel und Schürfwunden. Doch weil bei dem Raub, bei dem es um die Bezahlung von Schulden in Höhe von fünfzig Euro ging, ein Messer im Spiel war und das Opfer Verletzungen davon trug, bleibt es juristisch gesehen erst einmal eine gefährliche Körperverletzung.

Nach der Auseinandersetzung in der Nähe des Rheindorfer S-Bahnhofs schleppte sich das Opfer noch etwa zwei Kilometer weiter in Richtung Langenfeld, kam an einem Bauernhof vorbei, wo eine Frau den blutverschmierten Mann sah und gleich die Polizei und den Rettungsdienst informierte. Die brachten den Verletzten ins Langenfelder St.-Martinus-Krankenaus.

Vor dem Landgericht stellte sich heraus, dass das Opfer und ein Angeklagter sich kannten. Wäre der blutende Mann nicht entdeckt worden, so hätte er es mit den Verletzungen wahrscheinlich auf sich beruhen lassen; denn die Schnittverletzung am Oberschenkel und die Hämatome waren scheinbar doch nicht so folgenschwer. Zwar wurde die Stichverletzung im Langenfelder Krankenhaus genäht, doch bereits nach einer Nacht entließ sich der Patient selbst. Am Morgen war er nicht mehr da, schilderte der Arzt aus der Langenfelder Klinik.

Auch die Aussagen von Sozialarbeitern und Betreuern, die mit dem Opfer in den letzten Jahren zu tun hatten, bezeichneten ihren Schützling eher als schwierig. Wegen zahlreicher Straftaten wie Körperverletzungen, Diebstahl oder Betrug stand er bereits vor Gericht, hat einige Monate in Untersuchungshaft verbracht. Ein Sozialarbeiter hat später  eine weitere Zusammenarbeit abgelehnt: „Ich konnte ihm nicht mehr helfen.“ Denn: „Er hat nachweislich häufiger gelogen.“ Zugleich: „Hilfe hat der Mann nötig, er ist krank.“

So stellt sich dem Gericht die Frage, ob sich der Zwischenfall vor knapp fünf Jahren in Rheindorf wirklich so dramatisch abgespielt hat. Die beiden Angeklagten hoffen nicht nur deswegen auf eine milde Strafe, sondern sie können mit ihren Arbeitsplätzen als Anstreicher und als Pflegehelfer günstige Sozialprognosen vorweisen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Mehr von RP ONLINE