Prozess um Drogensucht in Leverkusen

Prozess vor dem Landgericht : Gefangen in der „Mausefalle“ der Drogensucht 

  Zwei Cousins sind angeklagt, drei Spielhallen in Opladen überfallen zu haben. Der Jüngere, 42 Jahre alt, muss sich zudem vor dem Kölner Landgericht dafür verantworten, eine 74-jährige Frau in ihrer eigenen Wohnung eingesperrt und beraubt zu haben (wir berichteten).

Das Skurrile dabei: Der 42-jährige Mann gibt alles unumwunden zu, auch, als eine Ärztin aus der Langenfelder Landesklinik nun davon berichtet, dass er alles andere als ein einfacher Patient war. „Ja, alles, was gesagt wurde, stimmt.“

Bei der Urteilsfindung wird die Kammer nicht nur die aktuell in der Anklage formulierten Straftaten bewerten müssen, sondern es geht auch um eine lange Lebens- und Leidensgeschichte mit Drogen und Krankheiten. Der jüngere Cousin, der als Hauptangeklagter gilt, spricht mitunter über sein bisheriges Leben, als wäre es nicht sein eigenes gewesen. Dabei ist seine Erklärung recht einfach: Es waren die Drogen, immer wieder die Drogen. „Man ist da wie in einer Mausefalle, aus der man einfach nicht rauskommt.“

 Über elf Jahre war der zweifache und längst geschiedene Vater in ärztlicher Behandlung. Doch es half nichts, er wurde nicht nur immer wieder rückfällig, sondern hatte zeitweise sogar Hausverbot im Langenfelder Landeskrankenhaus, weil er nicht nur selbst konsumierte, sondern auch mit den Rauschgiften dort Geschäfte machte.

 Am Montag sollte eigentlich eine 74-jährige Zeugin, seine frühere Vermieterin,  erscheinen. Der Angeklagte gab an, eine Beziehung mit dieser Frau gehabt zu haben. Dann hat er sie jedoch in der Wohnung eingesperrt, Kreditkarten, Sparbücher, Führerschein und die Zulassung sowie Autoschlüssel und den dazu gehörenden Audi A8 mitgenommen. Mit dem Fahrzeug wurde er später auf der A4 von der Polizei gestellt. Allein dies machte einen Schaden von mindestens 25.000 Euro aus.

 Diese Zeugin ist jedoch nicht gekommen. Eine ärztliche Bescheinigung lag dem Gericht vor, die ihr dauerhaft bescheinigt, nicht mehr vernehmungsfähig zu sein. Also blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als die Polizei-Protokolle bei der ersten Vernehmung unmittelbar nach der Tat zu verlesen. Zusammen mit einer Angestellten aus einer überfallenen Spielhalle, die ein Jahr nach der Tat vor Gericht aussagte immer noch zu leiden, hat der Angeklagte mit seinen Straftaten zumindest zwei Frauen seelisch nachhaltig geschädigt.

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