1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Prozess nach Mordversuch in Waldsiedlung in Leverkusen

Prozess wird fortgesetzt : Mordversuch Waldsiedlung: Eigentlich war die Tochter das Ziel

Vor dem Kölner Landgericht sagte am Mittwoch die Tochter des 58-Jährigen Opfers aus, das mit 26 Messerstichen lebensgefährlich verletzt wurde.

Was zum Zeitpunkt des Gesprächs wohl als Geplänkel gesehen wurde, war ein halbes Jahr später vor dem Kölner Landgericht ein wichtiges Thema. Dabei geht es letztlich um nichts Geringeres als versuchten Mord und schwere Körperverletzung. Vor der 4. Großen Strafkammer sagte gestern die 18-jährige Tochter einer Frau aus der Waldsiedlung als Zeugin aus, die im April dieses Jahres einen brutalen Messerüberfall erlebte. Dabei wurde sie lebensgefährlich verletzt.

Der Überfall galt eigentlich der Tochter, wie ein „Freund“ des Angeklagten bereits vor Gericht ausgesagt hatte. Aber weil die Mutter am 20. April kurz nach 23 Uhr die Tür öffnete, fiel ein großer, schwarz gekleideter Mann über sie her. Da die 58-jährige Frau sich wehrte, fügte ihr der Täter 26 Stichverletzungen mit einem Messer zu.

„Ich habe mich gewundert, wer so spät noch klingeln würde“, sagte die Tochter aus. Dann hörte sie einen Schrei, vielleicht auch mehrere. Weil sich das so außergewöhnlich anhörte, rief sie die Polizei. Amtlich registrierte Uhrzeit: 23.14 Uhr.

  • Der 61-jährige Willicher steht in Krefeld
    Willicher vor Gericht : Prozess um sexuellen Missbrauch wurde ausgesetzt
  • Fahnder des Hauptzollamts in Bielefeld hatten
    Prozess am Landgericht Düsseldorf : Zigarettenschmuggler aus Meerbusch vor Gericht
  • Im Landgericht Mönchengladbach muss sich ein
    Landgericht Mönchengladbach : Römerbrunnen-Prozess: Blutiger Handabdruck gefunden

Dann öffnete sie das Fenster und sah einen schwarz gekleideten Mann weglaufen. Erst dachte sie an einen Einbrecher. Sie ging zur Tür, sah die Blutspuren und ihre schwer verletzte Mutter.

Auch die Vorgeschichte wollte das Gericht erfahren. Täter und Tochter kennen sich von der Schule. Immer wieder erwähnt wurde ein Gespräch an der Tribüne auf dem Sportplatz ihrer Schule (Freiherr-vom-Stein-Gymnasium) etwa vier Wochen vor der Tat. Ein Geplänkel? Da hatte der Angeklagte ihr wohl unmissverständlich seine Liebe gestanden. Doch das Mädchen konnte damit nichts anfangen. Vor Gericht sagte sie: „Ich wusste ja, wie impulsiv er reagieren kann. Daher habe ich mich wohl nicht ganz klar geäußert.“

Genau dieses Verhalten hatte der Angeklagte völlig missverstanden. Laufend schickte er ihr Nachrichten aufs Handy. Doch die Mitschülerin antwortete nicht. Einmal fragte er daher nach, ob sie ihn „verarschen“ wolle. Diese Wut hatte sich beim Angeklagten so aufgestaut, dass er den Entschluss gefasst hatte, die Tochter zu entführen, sie und sich selbst umzubringen. Bis er sich am 20. April tatsächlich auf den Weg zum Haus in der Waldsiedlung machte, wo aber die Mutter die Tür öffnete.

„Seitdem hat sich mein Leben völlig auf den Kopf gestellt“, berichtete die Tochter vor Gericht. Sie habe sich gleich einen Tag später an die Trauma-Ambulanz in Köln gewandt, seitdem sei sie in regelmäßiger Behandlung. Ohne Medikamente finde sie nicht in den Schlaf. Einige Wochen habe sie sich nicht alleine vor die Tür getraut. Wenn sie Blaulicht sehe, löse das Panik in ihr aus.

Der Überfall geschah drei Tage vor ihrer ersten Abiturprüfung. Das Abi habe sie zwar geschafft. Vor Gericht verband sie das aber mit Vorwürfen an ihre Schule: Obwohl der Mitschüler auf der Anklagebank viele Auffälligkeiten im Schulalltag gezeigt hätte, habe das offenbar niemand von den Lehrern gestört. Der Prozess wird fortgesetzt.