Prozess gegen Leverkusener Juniorclanchef fortgesetzt

Prozess gegen Junior-Clanchef : Betrugsverdacht: Fahnder prüfen 755 Konten

(RP) Die Abteilung Finanzermittlung der Kölner Kripo musste sich durch ein Gestrüpp von Zahlen wühlen: Bei über 70 Banken wurden 755 Konten unter die Lupe genommen, mehr als  160 Immobilientransaktionen genauer untersucht.

Ob dabei alle Unregelmäßigkeiten gefunden wurden, lässt sich nicht eruieren. Aber es blieben fünf Fälle so undurchsichtig, dass sie zur Anklage kamen. Ein Fall in Haan wurde nachträglich besprochen. Zwei der vier Angeklagten sollen diese  Immobilien-Deals für Geldwäsche-Geschäfte genutzt haben.

Zentraler Dreh- und Angelpunkt, das wurde auch durch die Angaben der Finanzermittlerin am Mittwoch vor dem Kölner Landgericht bestätigt, war der Hauptangeklagte und Junior-Clanchef Michael G. Die Ermittlungsgruppe Bischof bat die in Finanzsachen versierteren Kollegen um Hilfe. Die nahmen sich die Eintragungen in den Grundbüchern vor, lasen die notariell beglaubigten Kaufverträge genau durch. Und nahmen diese Angaben, um sie mit den Geldflüssen auf den Konten vor allem des 55-jährigen Immobilienunternehmers aus Bergisch Gladbach zu vergleichen. Letztlich ging es um Bargeldeinzahlungen, damit einige Geschäfte bezahlt werden konnten.

Aber da fiel die Differenz von allen Bargeld-Einzahlungen und Auszahlungen im untersuchten Zeitraum von mehreren Jahren nicht einmal besonders signifikant aus. Es war eben die hohe Zahl von Transaktionen, die stutzig machte. Zudem wurden fast alle Immobilienkäufe voll Prozent finanziert. Offenbar sind die derzeit exorbitant steigenden Preise für Häuser und Grundstücke Sicherheit genug. Ob das als Beweis vor Gericht reicht?

Die Auswertung der Konten, die zumindest auf den ersten Blick und alleine keine erdrückenden  Beweise für eine möglicherweise längere Haftstrafe ergeben, nahm der Verteidiger des Immobilienunternehmers zum Anlass, auf seinen bereits vor einer Woche gestellten Antrag auf Haftverschonung hinzuweisen. Nach der Mittagspause die – vorläufige – Entscheidung der Richter: Der Unternehmer, der als „Strohmann“ für Don Mikels Geschäfte fungiert haben soll, bleibt zumindest so lange in Haft, bis ein weiterer von der Staatsanwaltschaft benannter Zeuge als Wirtschaftsermittler seine Aussage gemacht hat.

Viele Zeugen wurden bereits vernommen, es kommen noch zahlreiche. Zwei allerdings werden in diesem Mammutprozesse nicht mehr erscheinen, weil sie inzwischen verstorben sind. Dabei handelt es sich um die – betrogene – Verkäuferin einer kleineren Wohnung in Neuss und eine Maklerin, die das Geld aus dem Verkauf einer Immobilie in Hilden veruntreut haben soll und damit den ehemaligen Besitzer, einen kranken Frührentner, zum Sozialfall machte.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.