Prozess gegen Leverkusener Clan-Chef unterbrochen

Schwächeanfall eines Richters : Prozess gegen Leverkusener Junior-Clanchef unterbrochen

(MS) Die 17. Große Strafkammer des Kölner Landgerichts setzte am Donnerstag den „Don-Mikel-Prozess“ mit der Vernehmung weiterer Zeugen fort, die in die Immobiliengeschäfte des Angeklagten involviert waren.

Dann nahm kurz nach elf Uhr das Verfahren gegen den Leverkusener Junior-Clanchef Michael G, genannt „Don Mikel“, an diesem Tag ein abruptes Ende. Der Vorsitzende der Kammer gab nach einer „technischen Pause“ bekannt, dass einer der beiden beisitzenden Richter einen Schwächeanfall erlitten habe.

 Weil nicht abzusehen war, wie lang diese Unterbrechung dauern würde, vertagte man sich dann lieber gleich auf kommenden Montag, dem ohnehin fest terminierten zehnten Verhandlungstag – von insgesamt 32 vorgesehenen Treffen. Vorsorglich hatte der Vorsitzende Richter den Prozessbeteiligten gleich zu Beginn der Hauptverhandlung, vor allem gegenüber den neun Verteidigern, bereits deutlich gemacht, sich auch für die Zeit danach noch einige Tage frei zu halten. Womöglich werde man bis zur angedachten Urteilsverkündung im Oktober noch nicht alles besprochen haben.

 Denn das Gericht geht bei der Behandlung der Immobilien-Deals  sehr akribisch vor. Nicht nur mit den Geschäften beschäftigte Makler und Verkäufer, sondern auch Mieter der Immobilien werden ausführlich befragt. Dahinter steht immer der Verdacht, dass nicht ein Mitangeklagter der wahre Eigentümer ist, obwohl er beim Notar offiziell als Käufer aufgetreten ist, sondern das Mitglied der stadtbekannten Leverkusener Großfamilie. Und der wiederum damit umfangreiche Geldwäsche-Deals betrieben haben könnte.

 Weil bei Immobilienkäufen eine notarielle Beurkundung bekanntlich zwingend notwendig ist und der Kaufvertrag den Beteiligten vorab mit den Namen von Verkäufer und Käufer zugeht, konnte beispielsweise ein Makler nicht absehen, wer sich hinter dem im Vertrag genannten Familienname wirklich verbirgt.  Denn der Angeklagte hatte sich „vorsorglich“ nur mit dem Vornamen vorgestellt und den beim Notar plötzlich aufgekreuzten „Strohmann“ als seinen Partner oder Cousin ausgegeben.

 Mitunter helfen da nur die von der Polizei erstellten Protokolle von überwachten Telefongesprächen weiter. Eine äußerst mühsame Arbeit, weil nicht nur zahlreiche Mitschnitte übersetzt und verschriftlicht werden mussten. Letztlich mussten die Gespräche auch konkreten Vorgängen zugeordnet werden.

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